Totholz auf der Streuobstwiese

Nicht allein im Wald kommt Totholz vor. Auch auf Streuobstwiesen sollten abgestorbene Bäume oder Äste nicht sofort entfernt, sondern stehen gelassen oder wenigstens in eine Ecke gelegt werden, damit sie dort ohne zu stören langsam verrotten können.

Doch nicht nur Bäume können einen Beitrag zum Totholzvorkommen leisten. Gerade bei kulturlandschaftlich genutzten Flächen wie der Streuobstwiese stellen auch hölzerne Zaunpfähle potentielle Totholzlieferanten dar. Voraussetzung ist, dass sie unbehandelt und ungeschält sind. Pfähle die nicht mehr verwendet werden, können einfach auf der Wiese gelassen werden.

Totholz allgemein

Totholz – das klingt zunächst einmal nach einem wertlosen Abfallprodukt. Lange Zeit haben die Menschen es auch als ein solches betrachtet und systematisch aus den Wäldern entfernt. Häufig wurde es als Brennholz verwendet oder nur entsorgt um den Wald „sauber” zu halten. Die Ansicht, ein gut bewirtschafteter Wald müsse ordentlich und aufgeräumt sein, war allgemein weit verbreitet. 

Mittlerweile sind sich die Wissenschaftler darüber einig, dass wir mit dieser Einschätzung der ökologischen Bedeutung des Totholzes nicht gerecht werden. Ganz im Gegenteil: Es gehört zu den wichtigsten Elementen eines intakten Naturkreislaufs. Wie kann das sein?

Totholz macht den Wald lebendig

Es gibt unterschiedliche Arten von Totholz. Alle haben viele verschiedene Funktionen im Wald. Totholz trägt sehr stark zur Artenvielfalt bei, denn es bietet unzähligen Tieren und Pflanzen einen idealen Lebensraum. Es dient ihnen als Nahrungsquelle, Brutstätte, Ruheplatz oder Rückzugsort.

Bei der Verjüngung von Wäldern spielt Totholz ebenfalls eine wichtige Rolle. Selbst gegen Naturgefahren kann Totholz schützen. Es hält, ebenso wie der lebendige Baumbestand, herunterrollende Felsbrocken und Schnee auf. Bei stehendem Totholz helfen die Wurzeln den Boden zusammenzuhalten und wirken so Erdrutschen entgegen.

Die schwammartige Struktur von Totholz bindet außerdem viel Wasser. Dieser natürliche Wasserspeicher wird von Amphibien, Weichtieren oder Insekten genauso genutzt, wie von verschiedenen feuchteliebenden Pflanzenarten.

In Bezug auf Wasser kommt toten Bäumen noch eine weitere Funktion zu. Wenn sie in der Nähe von Fließgewässern stehen, fallen sie häufig nach dem Absterben oder einem starken Unwetter in das Gewässer. Nicht immer betrifft das den gesamten Baum, es können auch große Äste abbrechen und ins Wasser ragen.

Sie haben den Effekt, dass sie zu einer Veränderung der Fließgeschwindigkeit in diesem Bereich beitragen, worauf viele Tiere, besonders Fischarten angewiesen sind. Außerdem bieten sie Unterschlupf- und Wohnmöglichkeiten für eine Vielzahl von Kleintieren im Wasser. Insgesamt trägt Totholz in Gewässern zu einer wichtigen Vielfalt der Kleinbiotope bei und damit zu einer höheren Artenvielfalt.

Artenvielfalt im Totholz

Spuren eines Borkenkäfers auf einem Baumstamm

Einer Vielzahl an Insekten dient das Totholz als Nahrungsquelle im Larvenstadium. Besonders Käferlarven sind auf das Totholz angewiesen, weil sie nicht dazu in der Lage sind frisches Holz zu verdauen.

Aber nicht nur als Nahrungsquelle spielen abgestorbene Gehölze für Insekten eine wichtige Rolle. Sie nutzen sie auch als Wohnraum. In vielen toten Baumstämmen kann man Gänge von Ameisen- oder Wildbienenarten finden.

Zudem tragen die Insekten in großem Maße zur schnelleren Zersetzung des Holzes bei. Würden Pilze und Bakterien diese Arbeit alleine übernehmen müssen, würde der Abbau doppelt so lange dauern. Grund dafür ist, dass die Insekten das Holz aufnehmen und verdauen. Die ersten, die an einem kranken Baumstamm zu finden sind, sind die Borkenkäfer. Mit ihren starken Mundwerkzeugen bohren sie sich in den Stamm und bereiten anderen Käferarten, sowie Pilzen den Weg.

Vögel nutzen alte Höhlen oder Löcher als Nistgelegenheiten, Ruhe- und Brutplatz. Die Bäume insgesamt werden zu Jagdbiotopen, Singwarten und ganz besonders zur Nahrungsquelle. Die große Anzahl Insekten und Insektenlarven bietet den Vögeln eine abwechslungsreiche Mahlzeit. Besonders Spechte, Kleiber und Baumläufer haben ihren Speiseplan auf diese holzbewohnenden Insekten abgestimmt.

Neben Vögeln und Insekten gibt es natürlich auch eine große Zahl von xylobionten Säugetieren, deren Lebensweise eng mit dem Totholz verknüpft ist. Die größte Gruppe unter ihnen sind die Fledermäuse. Gerade die Totholzvorkommen in Wäldern werden von ihnen bevorzugt aufgesucht, da sie einen optimalen Rückzugsort und Brutstätte in einem bieten. Neben Fledermäusen sind es besonders sekundäre Höhlenbewohner wie Baummarder, Eichhörnchen oder Siebenschläfer, die in Totholz vorkommen. Sekundäre Höhlenbewohner ziehen im Gegensatz zu den primären Höhlenbewohnern in bereits existierende Höhlen ein, wohingegen die Letzteren sich ihre Höhlen selber bauen.

Feuersalamander und Erdkröten beispielsweise gehören zu den Amphibienarten, die sich im Totholz ihr Winterquartier einrichten oder es als feuchtes Tagesversteck nutzen. Und auch ihnen dienen die Käfer, Spinnen und Regenwürmer als Nahrungsquelle. Eine wichtige Rolle im Ökosystem eines Waldes spielen Pilze, Moose und Flechten. Pilze tragen im Wesentlichen zur Zersetzung des toten Holzes bei. Dabei handelt es sich um eine ziemlich komplizierte Aufgabe. Neben den Pilzen gibt es kaum andere Lebewesen, die es schaffen, dieses widerstandsfähige Material in seine einzelnen Bausteine aufzubrechen.

BuntspechtFledermaus FeuersalamanderBaumpilz Erdkröte

Bis zu 1.500 Großpilzarten leben an Totholz. Lebensgemeinschaften von Algen und Pilzen, die Moose und Flechten, bevorzugen schattige und feuchte Lebensräume. Sie siedeln sich auch auf Totholz an und dienen tierischen Bewohnern als Nahrung oder Lebensraum.

Entstehung von Totholz

Totholz entsteht beispielsweise, wenn ein Baum aus Altersgründen abstirbt. Naturereignisse, wie schwere Stürme, können einzelne Äste oder den ganzen Baum abbrechen, die dann zu liegendem Totholz am Boden werden. Auch können einzelne Äste an einem noch lebenden Baum absterben.

Die natürliche Totholzdichte eines Waldes variiert je nach Waldtyp. Im Laufe eines Jahres entsteht in einem Wald sehr viel Holz und Laub. Beide Produkte sind nur schwer abzubauen und dieser Abbauprozess dauert daher auch sehr lange.

Aus diesem Grund gibt es viele Tier- und Pflanzenarten, die sich auf dieses bereits tote aber noch nicht vollends verrottete Material spezialisiert haben. Wie viele und welche Tier- und Pflanzenarten zum selben Zeitpunkt in Totholz leben, hängt von der Beschaffenheit des Holzes ab.

Die meisten Arten können nicht in jedem Totholz leben. Sie sind oft auf eine ganz spezielle Form angewiesen. Sie wählen das Holz je nach Zersetzungsgrad (von „frisch tot” bis „Mulm”), der Größe des Totholzstückes, der Art der Fäule (Weiß- oder Braunfäule), der Position des Stammes (liegend oder stehend), nach Beschaffenheit der Umgebung (Temperatur, Trockenheit, Feuchte) und der Holzart.

Der natürliche Kreislauf des Lebens

Wird Totholz zersetzt, werden seine Nährstoffe langsam wieder zu dem, was sie ursprünglich einmal waren: Waldboden. Auf diese Weise erhält der Wald von selber sein natürliches Gleichgewicht.

Wichtige Nährstoffe und Mineralien, die die Bäume über ihre Blätter oder Wurzeln aufnehmen, bleiben so lange in ihnen gebunden, bis der Baum abstirbt und auf natürliche Weise vermodert. Rinde, Blätter und Holz werden dann zu Humus (und so vom Boden aufgenommen).

Mineralien und Nährstoffe werden auf diese Weise dem Boden und damit dem Wald zurückgegeben. Der Humus sorgt wiederum für eine hervorragende Grundlage für neue Bäume, die auf diesem fruchtbaren Untergrund gut wachsen.

 

Literaturnachweise:

Apfelwein- und Obstwiesenroute Odenwald e.V. (2003): „Ökologie der Streuobstwiese”.
URL: www.apfelroute.de/seiten/oekologie.htm [Stand: 22.10.2013]

Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (o. J.): „Totholz. Ein Stoff, aus dem die Vielfalt ist”.
URL: www.lwf.bayern.de/wald-und-gesellschaft/wissenstransfer-waldpaedagogik/forstl-versuchsgarten-grafrath/sonderthemen/32174 [Stand: 22.10.2013]

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URL: www.duden.de/rechtschreibung/Totholz [Stand: 22.10.2013]

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URL: www.boell-haus-lueneburg.de/uploads/media/Ansiedlungshilfen_im_Totholz.pdf [Stand: 28.10.2013]

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URL: www.waldundklima.de/wald/wald_docs/totholz_bauhus_herrmann_01.pdf [Stand: 23.10.2013]

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URL: de.wikipedia.org/wiki/Totholz [Stand: 23.10.2013]

Zahner, Volker (1999): „Biologische Vielfalt durch Totholz – Zeitgeist oder Notwendigkeit?“ in LWF aktuell. Totes Holz – lebendiger Wald S.14-17; 4/1999.