Obstwiese - seltener, bedrohter Lebensraum

Blütenpracht im Frühling, Apfelsaft im Herbst. Eine richtig schöne Streuobstwiese ist ein selten gewordenes und schützenswertes Stück Natur.

Streuobstwiesen waren früher ein prägender Bestandteil unserer Landschaft. Sie dienten der Selbstversorgung mit Obst und stellten somit einen unverzichtbaren Bestandteil im Leben der Menschen dar. Den Begriff „Streuobstwiese” führt man darauf zurück, dass auf den Wiesen Mahdgut als „Einstreu” für die Tierhaltung und Obst gewonnen wurden. Am stärksten war der Streuobstbau in Deutschland zwischen 1930 und 1955 verbreitet.

Mit dem Aufkommen des Erwerbsobstbaus Ende des 19. Jahrhunderts begannen ein immer stärker werdender Sortenrückgang und der Verlust von hochstämmigen Obstbäumen. Zum einen wurde empfohlen, nur noch wenige „Standard-Sorten” anzubauen. Zum anderen wurden staatliche Abholzungsprämien für die restlichen „unwerteren Sorten” gezahlt. Waren es in der Hochzeit des Streuobstbaus rund 1,5 Millionen Hektar allein in Deutschland, ist der Bestand an Obstbäumen inzwischen um fast drei Viertel zurückgegangen. Obst wird immer weniger selbst produziert, stammt aus Plantagenanbau und wird immer häufiger aus fernen Erdteilen importiert.

Da viele der alten Sorten jahrhundertelang in einer bestimmten Region gezüchtet wurden, sind sie auf diesen Bereich beschränkt. Darüber hinaus zeichnen sich Streuobstwiesen durch eine artenreiche Tierwelt aus. Damit haben der Schutz und die Pflege der Streuobstwiesen eine hohe kulturelle Bedeutung für die Region, aber auch eine hohe wissenschaftliche Bedeutung für den Erhalt der biologischen und genetischen Vielfalt.

Die NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln kümmert sich um den Erhalt und die Pflege der Streuobstwiesen. Zudem wird im Herbst Obst von privaten Streuobstwiesen angekauft, um daraus leckeren, naturtrüben Saft herzustellen, der im Bio-Bistro von NaturGut Ophoven erworben werden kann.