Streuobstwiesen als Bestandteil der historischen Kulturlandschaft

Ortsnahe Streuobstwiesen waren jahrhundertelang ein prägender Bestandteil unserer Landschaft. Das Obst diente der Selbstversorgung der Bevölkerung und das Mahdgut der Wiesen wurde als „Einstreu” für die Tiere genutzt.

Streuobstweisen stellten einen unverzichtbaren Bestandteil im Leben der Menschen dar. Im Bergischen Land liegen die Anfänge des Obstbaus nachweisbar um das Jahr 1192. Früh sprach man hier bereits von der Bergischen Obstkammer.

Die verschiedenen Standortbedingungen innerhalb der Region führten dazu, dass sich hunderte Sorten entwickelten, die an ihren spezifischen Standort perfekt angepasst waren.

Da es früher keine Pflanzenschutzmittel gab, haben sich besonders robuste Sorten herausgebildet, die Krankheiten und Schädlingen gegenüber unempfindlich waren.

So konnten auch mit extensiver Pflege hohe Erträge vitaler und gesunder Früchte erzielt werden. Bei den Obstbäumen, die in der Region am meisten vorkommen, handelt es sich um eine Vielzahl sehr alter Sorten Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen. Sehen Sie dazu die Übersicht, der von Hesselmann kultivierten Obstsorten.

Weiterentwicklung des Obstanbaus

Spätestens ab dem frühen 18. Jahrhundert führte der Acker- und Obstanbau zu einem bescheidenen Wohlstand der Landbevölkerung. Der Obstbau entwickelte sich weiter und die Menschen begannen sich eingehender mit Obstbaumpflege zu beschäftigen, Standortbedingungen der Sorten zu untersuchen und Sortenauswahl zu betreiben.

In diesem Zusammenhang muss auch der Hauptlehrer (frühere Bezeichnung für Schulleiter) Carl Hesselmann als Pionier des Obstbaus im Bergischen Land im 19. Jahrhundert Erwähnung finden. Er wurde 1830 in Menden im Sauerland geboren, war Volksschullehrer und unterrichtete bis 1893 an der Volksschule in Witzhelden. Er war begeisterter Pomologe und studierte den Zusammenhang zwischen Sorte, Klima und Boden, legte Versuchs- und Mustergärten an. Diese dienten weniger dem Erwerb als der Sortenselektion. Er kann zu Recht als einer der ersten „Sortenspezialisten” bezeichnet werden. Ihm verdankt die Sorte „Kaiser Wilhelm” ihren Namen und auf ihn geht die Einführung der für die Region typischen Birnensorte „Köstliche von Charneux” zurück.

Sortenvielfalt heute

Mit dem Aufkommen des Erwerbsobstbaus Ende des 19. Jahrhunderts begann ein immer stärker werdender Sortenrückgang und der Verlust von hochstämmigen Obstbäumen. Zum einen wurde empfohlen nur noch wenige „Standard-Sorten” anzubauen, zum anderen wurden staatliche Abholzungsprämien für die restlichen „unwerteren Sorten” gezahlt.

Obst wird immer weniger selbst produziert, stammt aus Plantagenanbau und wird immer häufiger aus fernen Erdteilen importiert. Waren es in der Hochzeit des Streuobstbaus um 1950 rund 1,5 Millionen Hektar allein in Deutschland, ist der Bestand an Obstbäumen inzwischen um fast drei Viertel zurückgegangen. Auch das Angebot an Apfelsorten ist stark zurückgegangen.

Von tausend bekannten Apfelsorten um 1900, umfasst das heutige Marktangebot nur noch einige wenige Sorten. Da viele der noch bestehenden alten Sorten jahrhundertelang nur in einer bestimmten Region gezüchtet wurden, sind sie auch heute noch auf diese Region beschränkt. Damit haben der Schutz und die Pflege der Bäume eine hohe kulturelle Bedeutung für die einzelne Region, sowie eine hohe wissenschaftliche Bedeutung für den Erhalt der genetischen Vielfalt.

Erst heute weiß man es wieder zu schätzen, dass die ehemalige Vielfalt auch eine Bereicherung für Sinnes- und Gaumenfreuden ist. Neben den wertvollen Eigenschaften der Widerstands- und Lagerfähigkeit, sind die alten Sorten auch besonders aromatisch und oft für Allergiker bekömmlicher. Sie können auch in klimatisch rauen Lagen angebaut werden, widerstehen Schädlingen und Krankheiten besser und kommen mit weniger Schnittmaßnahmen aus, als die Sorten des konventionellen Obstbaus. Sorten die ursprünglich aus unserer Region stammen sind z. B.: Apfelsorten wie Förster Sauer, Schöner aus Burscheid, Blauer Kölner sowie die Birnensorten Grä(h)ling, Neukirchener Butterbirne u.v.a.

Übersicht der lokalen Obstsorten

Heute wissen viele es wieder zu schätzen, dass die ehemalige Vielfalt an Obstsorten auch eine Bereicherung für Sinnes- und Gaumenfreuden ist. Insbesondere die alten Sorten sind besonders aromatisch, widerstandsfähig, lagerfähig und oft für Allergiker bekömmlicher. Sie können auch in klimatisch rauen Lagen angebaut werden, widerstehen Schädlingen und Krankheiten besser und kommen mit weniger Schnittmaßnahmen aus als die Sorten des konventionellen Obstbaus.

Äpfel

Birnen

Kirschen

Pflaumen