Hintergrund der Beweidung durch Nutztiere

Schon immer war unsere Landschaft vielen verschiedenen natürlichen und zuletzt auch immer mehr menschlichen Einflüssen ausgesetzt. Dies brachte einen stetigen Wandel der Landschaft und eine Veränderung des Landschaftsbildes mit sich. Diese Veränderungen sind aus Sicht des Naturschutzes nicht immer erfreulich gewesen. Zum Beispiel sind viele naturnahe Wiesen aus dem Landschaftsbild verschwunden. Aufgrund mangelnder Nutzung oder Pflege sind sie im Laufe der Zeit verwildert. Eine Pflege solcher Flächen ist zeitaufwändig und kostspielig. Eine Möglichkeit, um mit wenig Aufwand, alte Wiesen zu erhalten und ihren Bestand zu sichern, ist die extensive Beweidung.

Mittlerweile gibt es viele Gebiete, in denen die Beweidung mit Nutztieren fester Bestandteil der Pflege der Kulturlandschaft geworden ist (Beisp.: Rhön und Lüneburger Heide). Der Vorteil ist, dass die Tiere ohne Probleme auch auf maschinell nicht oder nur schwer bewirtschaftbaren Flächen grasen. Neben Gras fressen sie auch kleine Sträucher, wodurch nicht mehr die Gefahr eines übermäßigen Aufwuchses von Bäumen und Sträuchern besteht. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass bei Einsatz alter Nutztierrassen die Zahl der vom Aussterben bedrohten Rassen wieder erniedrigt wird. Das Fleisch der Weidetiere kann als regionales Produkt an Bioläden oder Restaurants verkauft werden.

Bei einer extensiven Beweidung stehen wenige Tiere nur kurze Zeiträume auf der Fläche. Das ist schonender für die Flächen und gut für die Tiere. Für die konventionelle Landwirtschaft ist diese Art der extensiven Beweidung eher ungeeignet, da die alten Haustierrassen zwar robust und anspruchslos sind, aber auch nur geringe Erträge bringen.

Extensive Beweidung von Streuobstwiesen

Streuobstwiesen werden in der Regel in einer Zwei-Stockwerke-Nutzung bewirtschaftet. Das bedeutet, dass neben der Obsternte (der Obernutzung) auch die Fläche unter den Bäumen in Gebrauch genommen wird (Unternutzung). Aufgrund der Nähe zu Obstblüten bietet sie sich als Standort für Bienenstöcke an und da sie als Ackerland eher ungeeignet ist, wird sie in der Regel als Grünland genutzt. Eine regelmäßige Pflege der Weiden ist wichtig, um eine artenreiche Pflanzen- und Tiergesellschaft zu gewährleisten. Eine Möglichkeit ist die Mahd, von Hand oder mit Maschinen. Beide Methoden stellen sich aber als ungünstig heraus, da eine Mahd von Hand extrem kosten- und zeitaufwändig ist und Mähmaschinen an die Flächen unter und zwischen den Obstbäumen nur schlecht herankommen. Für Rinder und Schafe stellt dies kein Problem dar. Besonders in den flachen Regionen Nordrhein-Westfalens ist diese Art der Unternutzung sehr verbreitet. Aber auch andere Nutztierarten wie Geflügel, Schweine, Pferde und Esel sind für eine extensive Beweidung von Streuobstwiesen geeignet. Bei der Wahl der geeigneten Rasse bieten sich immer diejenigen an, die in der entsprechenden Region, in der sie eingesetzt werden sollen, heimisch sind. Auf diese Weise sind sie ideal an die dort vorherrschenden Bedingungen angepasst.

Extensive Beweidung mit historischen Rassen

Bentheimer Landschaf

Eine extensive Beweidung mit traditionellen Haustierrassen trägt in vielerlei Hinsicht zum Schutz von Kulturlandschaft bei, fördert die Regionalentwicklung und dient der Umweltbildung.

Glanrind, Skudde und Bentheimer Landschaf

Bei der Suche nach geeigneten Tieren für eine extensive Beweidung fiel die Wahl der Rassen in Nordrhein- Westfalen auf Glanrind, Skudde und Bentheimer Landschaf. Traditionell wurde sie schon immer in der Region gehalten, seit dem Aufkommen der konventionellen Agrarwirtschaft ist der Bestand aber weit zurückgegangen. Die Tiere sind an die Verhältnisse in der Rheinlandschaft gut angepasst, sind anspruchslos und widerstandsfähig und zudem weite Wanderungen von einer Fläche zur anderen gewöhnt. Für die Landschaft hat das den Vorteil, dass die Wiesen auf eine natürliche und schonende Weise freigehalten werden. Wertvolle Grünflächen mit seltenen Tier- und Pflanzenarten, die zum charakteristischen Landschaftsbild der Region zählen, können mithilfe der Rinder und Schafe erhalten bleiben.

 

Literaturnachweise:

Bauschmann, Gerd (2010): „Die Pflege von Streuobstwiesen durch Beweidung“ in Pomologen Verein e.V. – Jahresheft 2010 38-52.

BUND (o. J.): „Das Rhönschaf-Projekt des BUND Hessen: Naturschutz, Regionalentwicklung und Umweltbildung”.
URL: http://www.bund-hessen.de/themen_und_projekte/natur_und_artenschutz/rhoenschaf/ [Stand: 06.09.2013].

Enzendorfer, Andrea (o. J.): „Alles über das Schaf“.
URL: http://www.kidsnet.at/sachunterricht/schaf.htm [Stand: 06.09.2013].

KuhParadies (2011): „Interessantes über Kühe, Kälber, Rinder und der Kuhmilch kurz und knapp in Stichworten“.
URL: http://www.kuhparadies.de/kuh/wissenswertes.php [Stand: 06.09.2013].

Lumma, Birgit (2013): “Wissenswertes”.
URL: http://milchziegen.lima-city.de/index.php?cat=06_Wissenswertes-nbsp~-uuml~ber-nbsp~Ziegen [Stand: 06.09.2013].

Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (2009): „Faszinierender Lebensraum: Der Einsatz lohnt sich“ in Streuobstwiesen in Nordrhein-Westfalen. Erhalt des Lebensraumes, Anlage, Pflege, Produktvermarktung 18-19.

Naturpark Lüneburger Heide (2008): „Beweidung – Schnucken und Ziegen sind fleißige Landschaftspfleger“.
URL: http://www.naturpark-lueneburger-heide.de/die-heidelandschaft/naturraum/heide/pflege-erhalt.html [Stand: 22.10.2013].

Oppermann, Rainer; Luick, Rainer (2002): „Extensive Beweidung und Naturschutz – Charakterisierung einer dynamischen und naturverträglichen Landnutzung“ in Vogel und Luftverkehr 46-54, 22/2002.

Welt der Schafe (2001): „Voraussetzung für eine Schafhaltung“.
URL: http://www.welt-der-schafe.de/seiten/Voraussetzungen.html [Stand: 06.09.2013].