Grundlagen des Veredelns von Obstbäumen

Veredelungen werden bei Obstbäumen durchgeführt um eine bestimmte Sorte mit ihren spezifischen Eigenschaften zu erhalten oder zu vermehren. Für die Veredlung benötigt man in der Regel zwei Pflanzenteile. Der eine bildet den Wurzelkörper und den Großteil des Stammes und der andere bildet den restlichen Stamm und vor allem die Krone. Ersterer wird auch als „Unterlage” bezeichnet, der Teil der die neue Krone bildet als „Edelsorte”. Es besteht außerdem die Möglichkeit zwischen Wurzelkörper und Krone einen Stamm einer dritten Sorte einzusetzen. In den meisten Fällen beschränkt man sich jedoch auf zwei.

Bei der Auswahl der Unterlage sollte ein kräftiger und gesunder Stamm gewählt werden, denn er bestimmt später das Wachstum des Baumes. Selbstverständlich sollen auch Triebe für die neue Krone aus gesunden Reisern, den sogenannten Edelreisern bestehen. Dazu wählt man gut ausgereifte, ungefähr bleistiftstarke, ein Jahr alte Triebe der Sorte, die man gerne vermehren möchte, aus und schneidet sie Ende Dezember oder Anfang Januar.

Die Triebe sollten nicht zu lang sein und lediglich zwei Knospen haben. Bis zum Zeitpunkt der Veredelung im Februar oder März werden sie in feuchten Sand eingeschlagen in einem kühlen Raum gelagert.

Ausschlaggebend für eine gelungene Veredelung ist ein enger Kontakt zwischen den Schnittflächen des Edelreises und der Unterlage. Denn nur so besteht die Möglichkeit, dass zwischen beiden eine feste Verbindung entsteht. Um beide Kontaktflächen angemessen zu bearbeiten benötigt man ein sehr scharfes Messer, damit die entstehenden Schnittwunden möglichst schnell verheilen.

Um die Unterlage vorzubereiten muss der gewählte Baum stark zurückgeschnitten werden. Dies nennt man auch das „Abwerfen”. Die Stärke des Rückschnitts hängt vom Alter des Baumes ab. Ein junger Baum verträgt einen stärkeren Rückschnitt als ein älterer Baum. Bei jungen Bäumen ist es sogar möglich die Krone bis auf einen kleinen Stummel zu reduzieren.

Methoden

Bei der Veredelung gibt es mehrere unterschiedliche Methoden, abhängig vom verfolgten Ziel und in erster Linie von der Beschaffenheit des Gehölzes.

Kopulation

Das Pfropfen durch Kopulation wird angewendet, wenn zwei gleichstarke Pflanzteile miteinander verbunden werden sollen. Dies ist unter anderem der Fall, wenn ein Zweig umzupfropfen ist. Hier werden der zu veredelnde Zweig und der Edelreis auf einer Länge von drei bis sechs Zentimetern schräg angeschnitten. Von essentieller Bedeutung sind glatte Schnittflächen und ein ordentlicher Schnitt. Legt man beide Triebe aufeinander, müssen sie genau passen. Daher ist es ratsam, vorher an einem Zweig so lange zu üben, bis der Schnitt einwandfrei ausgeführt werden kann.

Damit Schnittflächen gut zusammenwachsen und schnell verheilen, werden sie nicht nur mit Bast aneinandergebunden, sondern alle Schnittflächen sollten zusätzlich noch mit Wundverschluss oder Baumwachs bestrichen werden. Beide Knospen des Edelreises sollen dabei frei bleiben.

Eine weitere Möglichkeit ist es beide Pflanzenteile mit einer Gegenzunge zu versehen. So gewinnt die Verbindung an Stabilität, die Wirkung ist aber die gleiche. Da der Schnitt etwas schwieriger durchzuführen ist, bietet sich für Anfänger die erste Methode an.

Rindenpfopfen

In dem Fall, dass die Unterlage wesentlich dicker ist als der Edelreis, wendet man die Methode des Rindenpfropfens an. Hier werden am Reis zwei Schnitte angebracht, welche einen Winkel von um die 30 Grad bilden. Einer der beiden Schnitte ist etwas länger als der Andere.

Die Rinde am Baumstamm wird auf einer dieser Schnitte entsprechenden Länge eingeritzt und vorsichtig vom Stamm gelöst. In den so entstandenen Zwischenraum wird das angeschnittene Reis gesetzt und wie bei den anderen Methoden mit Bast angebunden und mit Wundverschluss zugeschmiert. Bei Apfelbäumen lässt sich dies in der Regel problemloser durchführen als beispielsweise bei Birnen oder Steinobst. Im Allgemeinen ist das Frühjahr ein guter Zeitpunkt für die Veredelung nach dieser Methode, da sich die Rinde zu dieser Zeit meist besser lösen lässt. Bei Unterlagen mit einem großen Durchmesser, ab ca. 5 cm, lassen sich auch durchaus mehrere Reiser aufpfropfen.

Geißfußpfropfen

Eine weitere Methode für das Verpfropfen von zwei ungleich starken Pflanzenteilen ist das Geißfußpfropfen. Sie kommt in Frage, wenn die Unterlage zu stark für eine Kopulation, jedoch zu dünn für das Rindenpfropfen ist.

Besonders wenn gleich mehrere Edelreiser auf einmal auf einen dicken Ast aufgepfropft werden sollen, ist diese Methode gut geeignet. Sie gilt als eine der besten Pfropfmethoden, ist allerdings nicht einfach zu schneiden und aus diesem Grund nur bei entsprechenden Vorkenntnissen zu empfehlen.

Das Edelreis wird mit zwei Schnitten am unteren Ende keilförmig zugeschnitten. Aus der Unterlage wird ebenfalls ein Keil herausgeschnitten, in den das Edelreis genau hineinpasst. Zwischen den beiden Schnittflächen von Unterlage und Edelreis dürfen keine Freiräume entstehen, da sie das Anwachsen erschweren oder verhindern.

Bei allen Methoden ist es wichtig, dass die Veredlungspartner fest mit Bast aneinander gebunden und dass alle Schnittflächen gut versiegelt werden. Dies gilt für die Berührungspunkte der Unterlage mit dem Reis, sowie für die große Schnittfläche am Stumpf der Unterlage. Hat das Edelreis weitere Schnittstellen, müssen diese genauso versiegelt werden.

Veredelungsstellen ohne und mit
Wundverschluss

Pflegemaßnahmen nach dem Veredeln

Unterhalb der Veredlungsstelle entwickeln sich häufig sehr starke Triebe. Alle diese Triebe sollten entfernt werden. Die Veredelung selbst muss ebenfalls einem Schnitt unterzogen werden.

Bei mehreren Edelreisern wird der stärkste als Stammverlängerung ausgewählt, und so gut wie nicht geschnitten.

Die anderen bilden die neuen Leitäste und werden stark zurückgeschnitten, damit sie den neuen Haupttrieb nicht behindern.

Literaturnachweise

Eipeldauer, Anton (1991): „Eipeldauers Obstbaumschnitt“, Österreichischer Agrarverlag, Wien.

Janssen, Helmut; Kennel, Winfried; Winter, Fritz; u.a. (1992): „Lucas‘ Anleitung zum Obstbau“, Ulmer Verlag, Stuttgart.

Riess, Hans Walter (1995): „Obstbaumschnitt in Bildern“, Obst- und Gartenbauverlag, München.

Schmid, Heiner (1987): „Obstbaumschnitt”, Ulmer Verlag, Stuttgart.