Bedeutung der Bienen für die Natur

Honigbienen fliegen am Tag mehrere Hundert Blüten an. Eine einzelne Biene bestäubt jeden Tag ungefähr 1.000 Blüten, ein großes Bienenvolk kommt am Tag auf bis zu 30 Millionen. Diese Zahlen geben einen Hinweis darauf, wie wichtig die Honigbienen für die Natur sind. 80% der Bestäubungen von nektarspendenden Pflanzen werden von Bienen durchgeführt, die restlichen 20% übernehmen andere Insekten, wie Hummeln und solitärlebende Bienenarten. Die Honigbienen kommen auf einen so hohen Anteil, da sie anders als andere Bienenvölker oder Wespen den Winter als Volk überstehen. Dadurch finden sie im Frühling innerhalb kürzester Zeit wieder zu alter Stärke zurück, was gegenüber anderen Völkern einen erheblichen Entwicklungsvorsprung darstellt.

Ein Vorteil der Bestäubung durch Bienen ist, dass Bienen blütenstetig sind, sie bleiben einer Gattung treu. Hat eine Biene einmal eine Blüte gefunden, bleiben sie und die anderen Arbeiterinnen bei dieser Gattung. Wenn eine Sammlerin also als erstes eine Apfelblüte anfliegt, sucht sie weitere Apfelblüten und -bäume anstatt beispielsweise eine nähergelegene Birnenblüte anzufliegen. Dadurch wird sichergestellt, dass der richtige Pollen auf die dazugehörige Blütennarbe gelangt und es zur Bestäubung und Fruchtbildung kommen kann.

Viele heimische Pflanzenarten sind auf die Honigbiene zur Bestäubung angewiesen und würden ohne sie vermutlich aussterben. Allerdings geht die Imkerei und damit die Zahl der Bienen in Deutschland in den letzten Jahren zurück. Die wirtschaftliche Bedeutung von Honigbienen und Bienenzucht ist vielen nicht bewusst. Dabei stünde sie im Vergleich der Wirtschaftlichkeit direkt hinter der Rinder- und Schweinezucht.

2008 haben französische und deutsche Wissenschaftler errechnet, dass der globale ökonomische Nutzen von Bienen als Bestäuber von Agrarpflanzen im Jahr 2005 einen Wert von 153 Milliarden Euro angenommen hat. Ein starker Rückgang ihrer Zahlen, ausgelöst beispielsweise durch die sich seit 30 Jahren ausbreitende Varroa-Milbe, hätte einen großen wirtschaftlichen Schaden zur Folge.

Neben ihrer Bedeutung als Bestäuber liefert die Honigbiene Produkte wie Honig und Wachs, die für den Menschen von Nutzen sind.

Ein Bienenleben

Bienen leben in einer Gemeinschaft von 40.000 bis zu 80.000 Individuen, dem sogenannten Bienenstaat, Bienenvolk oder Bienenstock. Dieser Staat besteht aus Arbeiterinnen und einer Königin. Die Bienenkönigin ist die Mutter aller Arbeiterinnen, denn sie ist die einzige der Bienen, die Nachkommen zeugt.

Sie legt pro Tag bis zu 2.000 Eier in die Brutzellen des Bienenstocks aus denen die Arbeiterinnen und die Drohnen schlüpfen. Die Arbeiterinnen sind die weiblichen Bienen, sie schlüpfen aus den befruchteten Eiern. Aus den unbefruchteten Eiern schlüpfen die männlichen Bienen, die Drohnen. Deren einzige Aufgabe besteht darin, die Königin auf ihrem Hochzeitsflug zu begatten. Nach der Paarung löst sich der Drohn von der Königin, wobei er seinen Hinterleib verliert und kurz darauf stirbt. Zuvor hatte er, so wie ungefähr 20 andere Drohnen ebenfalls, der Königin ein Spermapaket hinterlassen. Mit diesem Vorrat an Sperma kommt die Königin um die vier Jahre aus, die Dauer ihres restlichen Lebens.

Drohnen, die die Bienenkönigin auf deren Hochzeitsflug nicht befruchten, werden von den Arbeiterinnen verjagt oder durch Stiche getötet. Sie im Bienenstock zu dulden würde lediglich die Honigvorräte dezimieren, dem Bienenvolk aber keinen Vorteil bringen, da Drohnen sich nicht an der Arbeit im Stock beteiligen.

Die Arbeiterinnen hingegen arbeiten unermüdlich. Bereits am Tag an dem sie schlüpfen, beginnen sie zu arbeiten. Zu ihren Aufgaben gehört die Pflege und Aufzucht der Larven, das Sauberhalten des Bienenstocks, der Bau neuer Waben und natürlich die Honigproduktion. Dafür schwirrt die Biene auf der Suche nach Nektar und Pollen aus und signalisiert den anderen Bienen durch einen speziellen Tanz, wo sie eine Nahrungsquelle entdeckt hat.

Sobald der Sommer vorbei ist, stirbt die Arbeiterin. Sie wurde nur etwa sechs Wochen alt. Die folgende Bienengeneration, die im Herbst schlüpft, wird mit bis zu neun Monaten etwas älter. Diese Bienen haben den Auftrag, die Königin den Winter über mit Nahrung zu versorgen und im Frühjahr die neuen Larven großzuziehen.

Die Königin

Die einzelnen Zellen einer Wabe im Bienenstock haben alle eine sechseckige Form; bis auf die der zukünftigen Königin, auch Weisel genannt. Die Arbeitsbienen haben für die Eier, aus denen später die Königinnen schlüpfen werden, besondere Zellen vorbereitet. Sie sind rund und hängen mit der Öffnung nach Unten am Wabenrand. Nach 16 Tagen schlüpfen die Königinnen aus ihren Eiern. Die Königinnenlarven werden von den Ammenbienen, die allein für die Aufzucht der Königinnen zuständig sind, mit Gelée Royale gefüttert. Nach heutiger Kenntnis ist dieser besondere Futtersaft ein Grund dafür, dass sich aus den Larven Königinnen und keine Arbeiterinnen entwickeln.

Königin mit Begleitern

Sobald die erste Weisel schlüpft, verlässt die ehemalige Königin mit der Hälfte des Volkes den Bienenstock und überlässt das Feld den Jungköniginnen. Die ersten zwei oder drei frischgeschlüpften Jungköniginnen verlassen genau wie die Altkönigin mit einer Gruppe von Arbeiterinnen den Bienenstock und suchen sich in der Nähe einen geeigneten Platz, um einen neuen Staat aufzubauen. Die später geschlüpften Weiseln entscheiden nach dem Schlüpfen in einem Kampf um Leben und Tod, wer neue Königin wird. Diese Rolle übernimmt die einzige Überlebende.

Um den Fortbestand ihres Volkes zu gewährleisten, paart sich die Königin einmal in ihrem vierjährigen Leben mit 15-20 Drohnen. Sie ist die einzige im Stock, die Nachkommen zeugt. Die Paarung findet auf dem sogenannten Hochzeitsflug statt, bei dem sie sich einen Spermienvorrat anlegt, der ausreicht ihr ganzes Leben damit ihre Eier zu befruchten.

Damit die Arbeiterinnen nicht auch Eier produzieren, wird deren Produktion durch Pheromone unterdrückt, welche die amtierende Königin aussendet. In dem Fall, dass der Königin etwas zustößt oder sie zu alt wird und nicht mehr dazu in der Lage ist Eier zu legen, läuft das Bienenvolk Gefahr einzugehen. In dieser Ausnahmesituation besteht die Möglichkeit, gewöhnliche Arbeiterinnenlarven in Königinnenlarven umzuwandeln. Dieser Prozess ist eine reine Notlösung und findet im Normalfall (mit einer gesunden Königin) nicht statt. In dieser Situation wählen die Arbeitsbienen mehrere Larven aus und beginnen deren Zellen von sechseckigen liegenden in runde hängende umzubauen. Zudem wird die Versorgung der Larven umgestellt. Vorher wurden sie wie alle Arbeiterinnenlarven mit einem Gemisch aus Nektar, Pollen und Honig gefüttert, als neue Königinnenlarven bekommen sie Gelée Royale. Auf diese Weise erhält das Volk doch noch eine neue Königin und wird vor dem Aussterben bewahrt.

Die Arbeiterinnen

Der Bienenstock ist ein hoch effizient organisiertes System. Jede Biene hat ihre spezielle Aufgabe. Die Drohnen begatten die Königin auf dem Hochzeitsflug, die Königin sorgt für das Fortbestehen des Volkes durch regelmäßige Eiablage und die Arbeiterinnen sind für alle Arbeiten die im Bienenstock anfallen zuständig.

Dabei haben die Arbeiterinnen nicht alle die gleichen Aufgaben. Sie sind je nach Alter in verschiedene Gruppen aufgeteilt. Die allerjüngsten sind für die Brut zuständig. Nachdem sie geschlüpft sind müssen sie viel Nahrung zu sich nehmen. Dadurch wird Wärmeenergie freigesetzt, mit dieser Energie wärmen sie die anderen Larven. Außerdem säubern sie leere Brutzellen, um sie für die nächste Brut vorzubereiten.

Etwas später, wenn sich ihre Futtersaftdrüsen ausgebildet haben, arbeiten sie als Ammenbienen und füttern Larven. Als nächstes bilden sich die Wachsdrüsen. Mit dem Wachs, dass die Biene nun produzieren kann, baut sie neue Waben und bessert beschädigte Zellen aus. In dieser Phase wird sie als Bauarbeiterin bezeichnet.

Nach etwa drei Wochen bilden sich die Futtersaft- und Wachsdrüsen wieder zurück und der Arbeiterin fallen neue Aufgaben zu. Zunächst bewacht sie als Wachbiene das Flugloch und nimmt von ankommenden Sammlerinnen Nektar an, bis sie nach und nach zu immer längeren Flügen ausschwärmt und sich letzten Endes als Sammlerin an der Nahrungsbeschaffung beteiligt.

Diese Rolle behält sie bis ans Ende ihres Lebens, ungefähr sechs Wochen lang. Sehen Sie dazu die Grafik Bienenleben. In Anpassung an besondere Umweltbedingungen ist die altersbedingte Arbeitsabfolge aber flexibel und nicht wie früher vermutet starr festgelegt. Das heißt, wenn es nötig ist, kann auch eine Sammelbiene ein zweites Mal in ihrem Leben zu einer Baubiene werden.

Bienen in Zahlen

heimische Honig- und Wildbienenarten in Deutschland
Bienenvölker in Deutschland
Imker in Deutschland
ist die Durchschnittsfluggeschwindigkeit einer Biene
entfernt sich eine Biene pro Flug von ihrem Stock
Blüten ergeben 1 kg Honig
(= eine Erdumkreisung) fliegt eine Biene für 1kg Honig
muss eine Biene besuchen um ihre Honigblase einmal zu füllen
beträgt das Fassungsvermögen einer Honigblase
wiegt eine Arbeitsbiene
Bienen leben in einem Bienenstock

Der Bienentanz

Der Bienentanz dient einer Sammlerin dazu, ihren Sammlerkolleginnen mitzuteilen wo sich eine ergiebige Nahrungsquelle befindet. Liegt sie in einem Umkreis von weniger als 100m vom Stock entfernt, ähnelt die Tanzbewegung einer Acht. Dieser Tanz wird Rundtanz genannt. Die Biene führt diesen Tanz auf einer Wabe durch, auf der sich viele Arbeiterinnen befinden, um sie dazu aufzufordern nach der Futterquelle zu suchen.

RundtanzSchwänzeltanz

Bei einer Entfernung von mehr als 100m vom Bienenstock kommt der Schwänzeltanz zum Einsatz.

Die Arbeiterin läuft zunächst in einer geraden Linie, um dann abwechselnd im Halbkreis nach links und rechts zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Auf der Geraden wackelt sie mit ihrem Hinterleib, womit sie die Qualität der Quelle beschreibt.

Über die Entfernung der Quelle vom Stock gibt die Geschwindigkeit des Tanzes Aufschluss und der Winkel der Geraden, die die Biene läuft, zeigt an in welcher Richtung die Nahrungsquelle liegt.

Die Varroa-Milben

Bei der Varroa-Milbe handelt es sich um einen Parasiten, der aus Asien nach Deutschland gekommen ist und nun schon seit Jahren die hiesigen Bienenpopulationen gefährdet. Die wissenschaftliche Bezeichnung der Milbe lautet Varroa destructor, auf Deutsch „ zerstörerische Milbe”. Sie kam Ende der 70er Jahre nach Europa, als Forscher befallene asiatische Honigbienen für Forschungszwecke nach Deutschland brachten.

Die Milbe befällt die Bienen schon im Larvenstadium. Sie setzt sich auf den Larven fest um sie zur Nahrungsaufnahme auszusaugen. Aus den befallenen Bienenlarven schlüpfen ungewöhnlich kleine und schwache Bienen mit stark verminderten Überlebenschancen. Ausgewachsene Bienen, auf denen sich die Milbe festgesetzt hat, haben ebenfalls eine verkürzte Lebensdauer, Schwierigkeiten neue Informationen adäquat zu verarbeiten und Probleme bei der Orientierung. Bienen die nicht an der Milbe selbst eingehen, erkranken häufig an Viren, die durch die Milben übertragen werden. Insgesamt stellt ein Milbenbefall ein ernsthaftes Problem für einen Bienenstock dar.

Die asiatischen Bienen, mit denen die Milbe nach Europa kam, können sich vor den Parasiten relativ gut schützen. Sie sind dazu in der Lage, befallene Brutzellen zu erkennen und aus dem Bienenstock zu entfernen. Die europäische Honigbiene besitzt diese Fähigkeit nicht und wird durch einen Befall daher viel stärker geschädigt.

Zur Bekämpfung der Varroa-Milben wurden zunächst herkömmliche Parasitenbekämpfungsmittel eingesetzt, die den Parasit, jedoch nicht die Bienen töten. Nach einiger Zeit stellte sich jedoch heraus, dass die Milben eine Resistenz gegen diese Mittel entwickelten und dass sich außerdem giftige Rückstände in Bienenwachs und –honig nachweisen ließen. Heute werden daher alternative Methoden erprobt.

Eine Möglichkeit ist es, die befallenen Zellen vor dem Schlüpfen der Bienen zu entfernen. Allerdings kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, welche der Zellen befallen sind. Zum Einsatz kommen bei vielen Imkern auch natürliche Säuren wie Milch-, Oxal- oder Ameisensäure. In diesen Fällen besteht die Gefahr der Rückstände in den Produkten nicht, da die Säuren natürlicher Weise in der Natur und zum Teil sogar auch im Honig vorkommen. Es besteht die Idee, die Bienenvölker durch Züchtung dahingehend zu verändern, dass sie die Milben erkennen und sich selbstständig gegen eine Ausbreitung der Parasiten im Bienenstock wehren, in dem sie die Milben töten. Auf diese Weise wäre ein Milbenbefall eines ganzen Volkes seltener und Eingriffe von außen nicht so häufig nötig.

Wie entsteht Honig?

Honigbienen können aus verschiedenen Ausgangsstoffen Honig produzieren. Die Sammlerinnen machen sich auf den Weg von Pflanze zu Pflanze und saugen mit ihrem Rüssel Pflanzensäfte aus den Nektardrüsen der Blüten und Blätter oder sie nehmen Honigtau von pflanzensaugenden Läusen auf. Der Großteil wird durch die Speiseröhre in die Honigblase transportiert, der Rest gelangt in den Darm, wo er der Biene als Nahrung dient.

Wenn die Sammlerin zum Bienenstock zurückgekehrt ist, gibt sie den Inhalt ihrer Honigblase über ihre Mundwerkzeuge an eine Arbeiterin aus dem Stock weiter. Diese wiederum übergibt ihn an wieder andere Bienen, sodass der Pflanzensaft durch viele Honigblasen wandert. In jeder Blase wird er von der Biene mit körpereigenen Stoffen versetzt. Durch diesen Prozess dickt der Saft an. Das Andicken wird verstärkt durch das sogenannte „Rüsselschlagen”. Dabei wird der Honigtropfen von den Bienen mehrmals aufgeblasen und wieder eingesaugt. Dabei und bei der Übergabe von Biene zu Biene verdunstet Wasser und er verliert unerwünschte Inhaltsstoffe wie Pollen und Fett, welche dem Honig in der Honigblase der Biene entzogen werden.

Diese zähe Masse kleben die Bienen zunächst zum Trocknen von außen an die Waben. Erst wenn sie die gewünschte Konsistenz erreicht hat, werden die Zellen mit ihr vollständig gefüllt. Nachdem der Honig so in den Zellen gereift und weiter getrocknet ist, verschließen die Bienen die Zellen mit einem Wachsdeckel. Jetzt ist der Honig soweit, dass er vom Imker geerntet werden kann. Dazu entnimmt er eine Wabe dem Bienenstock, entfernt die Wachsdeckelchen und entnimmt den Honig durch Schleudern in einer Zentrifuge.

Hier finden Sie ein Rezept für Honiglikör: http://www.lwg.bayern.de/bienen/info/produkte/28707/linkurl_5.pdf

Weltdekadeprojekt „Mit Bienen in die Zukunft”

Bienen sind vielen Stressfaktoren ausgesetzt. Das Weltdekadeprojekt „Mit Bienen in die Zukunft”, der Gesamtschule Leverkusen-Schlebusch zeigt modellhaft, wie nachhaltige Schutzmaßnahmen in Angriff genommen werden können.
www.Mit-Bienen-in-die-Zukunft.de

 

Dazu ein Artikel von Andrea Bolz-Küster aus dem NABU/ BUND-Programm 2014:

„Mit Bienen in die Zukunft” - ein Projekt der Gesamtschule Schlebusch

Nachhaltige Jungimker an der GLS

Nach der wiederholten Auszeichnung des Projektes des Naturwissenschaft-Kurses und ihres Lehrers Reinhold Glüsenkamp als UNESCO-Dekadeprojekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung” nahm die BUND-Kreisgruppe Kontakt mit den Teilnehmern auf. Als Elternvertreterin freue ich mich sehr, das Projekt näher vorstellen zu dürfen.

Der Begriff der Nachhaltigkeit prägt unsere Medienlandschaft, doch was verbirgt sich dahinter? Die Projektteilnehmerinnen und –teilnehmer lernen diesen Begriff am Beispiel der Bienen kennen. Sie wissen, dass Bienen als Bestäuber vieler Kulturpflanzen eine große Bedeutung für die Menge der geernteten Nahrungsmittel zukommt. Dass in unserer heutigen Umwelt häufig nicht mehr ausreichend verschiedene Pflanzen mit unterschiedlichen Blütezeiten wachsen, um die Bienen zu ernähren, lernen die Schüler.

Soweit die Theorie. Nachhaltigkeit erfordert aber auch Handlungsorientierung. Es gilt: Nur was ich kenne, mag ich; und nur was ich mag, (be-)schütze ich. Als Konsequenz aus dieser Erkenntnis gibt es an der Schule zwei Bienenvölker, um die sich die Schüler mit ihrem Lehrer und Hobbyimker kümmern. Wenn die Schüler zum ersten Mal eine Wabe in der Hand halten, steht noch eine gehörige Portion Respekt oder gar Unbehagen in dem einen oder anderen Gesicht. Doch schon bald überwiegen Stolz und die Faszination, die Bienen ausüben. Im Jahresverlauf folgt das „Highlight”: Die Waben werden aus dem Stock entnommen und danach der Honig mit einer Handschleuder „geerntet”.

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten im schuleigenen Bienengarten, pflanzen und pflegen dort bienenfreundliche (Tracht-) Pflanzen, wie z. B. Apelbäume, Him- und Brombeersträucher, Wildkräuter (z. B. Löwenzahn ist willkommen), Stauden (z. B. Königskerzen, Mädchenauge, Sonnenhut) oder auch Einjährige wie die Sonnenblumen. Im Schulgelände sind auch Ahorn, Linde und ein Bienenbaum als Trachtbäume gepflanzt worden. Mit dem NaturGut Ophoven besteht eine Kooperation, auch dort sind die Schüler im Bienengarten tätig, pflanzen Trachtbäume oder kennzeichnen die Trachtbäume für die interessierten Besucher.

Im Unterricht und bei den Besprechungen eines kleinen Gremiums, dem auch zwei Elternvertreter angehören, werden die Projektideen gemeinsam weiterentwickelt. Vor etwa zwei Jahren entschieden die Schüler, das Interesse an Bienen und Bienenschutz nicht nur in ihrem eigenen Umfeld zu wecken, sondern überlegten sich Wege, wie sie noch mehr Menschen erreichen könnten. Schnell kamen sie auf den Gedanken, zusätzlich zu einem Stand am „Tag der offenen Tür” der Schule, auch z. B. mit einem Stand am „Kindertag” in der Schlebuscher Fußgängerzone oder bei Großveranstaltungen auf dem NaturGut Ophoven vertreten zu sein. Sie entwarfen einen Fragebogen (z. B. „Wo haben es die Bienen leichter – in der Stadt oder auf dem Land?” oder „Helfen Bienen uns Menschen?”), um damit eine Hilfestellung bei den vielen Geprächen mit fremden Erwachsenen zu haben. In Kooperation mit dem Imkerverein Leichlingen wurde der Flyer „Bienenfreundliche Gärten” entwickelt, der u. a einen Blütezeitkalender mit attraktiven Pflanzen für Garten- und Balkonbesitzer enthält. Beim Motto „Ohne Bienen keine Früchte” verteilten die Schüler ihn zusammen mit Äpfeln oder Fruchtbonbons in der Opladener und Schlebuscher Fußgängerzone.

Königin auf Hochzeitsflug

Mit der Beteiligung an den Aktionstagen der UNESCO wurde der schuleigene „Nachhaltigkeitshonig” verkauft. Da Nachhaltigkeit auch globales Denken beinhaltet, war schnell die Idee geboren, sich mit dem eingenommenen Geld für Bienen in ärmeren Ländern einzusetzen und dies mit sozialem Engagement zu verbinden. Wege dafür öffnete die Kooperation mit dem schuleigenen Eine-Welt-Verein „Horizontes”, der schon in Nicaragua (Zentralamerika) und in Burkina Faso (Afrika) mit eigenen Projekten tätig ist. Dadurch ließen sich Ansprechpartner finden, die sich für die Idee begeistern konnten.
In Nicaragua sollen Kleinbauern in Imkerei geschult werden und durch die Honigproduktion eine zusätzliche Einnahmequelle erhalten. Etwas anders ist die Situation in Burkina Faso, so berichtet unser Koordinator Alfred Ouoba. Hier sollen Frauen die Möglichkeit erhalten, durch die Imkerei ein eigenes Einkommen zu erzielen. Gleichzeitig wird zum Schutz der Bienen eine nachhaltig wirtschaftende Bienenhaltung angestrebt, denn leider ist es vielerorts in Afrika üblich, dass bei der Honigernte ein großer Teil des Bienenvolks nicht überlebt.

Bei den Schülern liegt jetzt das Augenmerk neben dem Bienenschutz auch auf der Einnahme von weiteren Spenden, um die globalen Projekte langfristig zu unterstützen. In diesem Jahr produzierten sie bienenfreundliche Pflänzchen, die gegen Spende abgegeben wurden, und pflanzten mit Kindern Sonnenblumen in kleine Töpfe. Im September dieses Jahres wurde das gemeinsame Trommeln mit dem Koordinator aus Afrika zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Die Spende durch den BUND sorgte mit dafür, dass in diesem Sommer der erste Kleinbauer in Nicaragua zwei Bienenvölker erhielt. Vielen Dank dafür!

(Weitere Informationen unter www.gesamtschule-schlebusch.de, Links „Nachhaltigkeit” und „Bienenschutz”)

-Andrea Bolz-Küster

Literaturnachweise

Apis e. V. - Verein zur Förderung der Bienenkunde der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (o. J.): “Wie Honig entsteht”.
URL: http://www.die-honigmacher.de/kurs1/seite_11400.html [Stand: 04.09.2013]

Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht (2012): „Die Biologie der Varroa-Milbe“.
URL: http://www.toleranzzucht.de/home/biologie-der-varroamilbe/ [Stand: 06.09.2013]

Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (o. J.): „Entstehung von Honig“.
URL: http://www.lwg.bayern.de/bienen/info/produkte/28707/linkurl_2.pdf [Stand: 03.09.2013]

Blütenpollen (2010): „Wie viel leistet ein Bienenvolk? Jedes Bienenvolk erbringt bei der Ernte unglaubliche Höchstleistungen“.
URL: http://www.bio-bluetenpollen.de/wieviel-leistet-ein-bienenvolk [Stand: 04.09.2013]

Breitsamer und Ulrich GmbH & Co KG (2012): „Honig – Ein Naturprodukt“.
URL: http://www.breitsamer.de/05/breitsamer-entsteht-honig.html [Stand: 04.09.2013]

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (o. J.): „Bienen – Lebensnotwendig für Nutz- und Wildpflanzen“.
URL: http://www.bmelv.de/DE/Landwirtschaft/Tier/TierzuchtTierhaltung/bienen_node.html#doc464524bodyText1 [Stand: 04.09.2013]

Freie Universität Berlin (2011): „Bedeutung der Honigbienen in der Natur“.
URL: http://www.fu-berlin.de/sites/langenacht/2007/programm/biowiss/22/index.html [Stand: 04.09.2013]

Friedmann, Günter; Weiler, Michael (2000): „Zuchttechnik und Zuchtauslese in der ökologischen Bienenhaltung“ in Ökologie und Landbau 116, 4/2000

Imkerverein Siebengebirge e. V. (o. J.): „Die Bedeutung der Bienen“.
URL: http://www.siebengebirgsimker.de/Bedeutung-der-Bienen.23.0.html [Stand: 04.09.2013]

Klein, Erhard Maria (2013): „Sommerbehandlung gegen die Varroamilbe mit Ameisensäure“.
URL: http://www.bienenkiste.de/as [Stand: 06.09.2013]

Kruzinna, Karl (2005): „Die Welt der Bienen“.
URL: http://www.imkerverein-reutlingen.de/die_bienen.htm [Stand: 04.09.2013]

Prasch, Pia; Reichert, Inka (2013): „Bienen“.
URL: http://www.planet-wissen.de/natur_technik/insekten_und_spinnentiere/bienen/ [Stand: 03.09.2013]

Schwab, Heribert (2010): „Die Varroamilbe“.
URL: http://www.imkerverein-maingau.de/index.php/die-varroamilbe?blog=12 [Stand: 06.09.2013]