Naturschutz in der Kläranlage

Betriebsflächen von Kläranlagen haben neben ihrer technischen Funktion zur Wasserreinigung vielfältige ökologische Funktionen. Die Flächen innerhalb der Werke werden nur wenig vom Menschen frequentiert und bieten daher für viele Arten einen idealen Rückzugsraum und eine weitgehend freie Entwicklung. Besonders Tiere und Pflanzen deren Lebensraum durch Wasser geprägt ist finden hier geeignete Bedingungen vor. Auf einigen Anlagen gibt es Schlammteiche die seit mehreren Jahren nicht mehr genutzt werden und wertvolle Trittsteine bilden im Verbund gewässergebundener Lebensräume. Auch offene Wiesenflächen, Heckenstrukturen und nicht zuletzt bestimmte Gebäudeteile können wertvolle Aufgaben beim Biotop- und Artenschutz übernehmen.
 
Um diese Potentiale von Klärwerksflächen zu entdecken und zu fördern haben sich die biologische Station für den Ennepe-Ruhr Kreis, die Biologische Station Mittlere Wupper, die Biologische Station Rhein-Berg, die Biologische Station Oberberg und die NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln zusammengetan um in Kooperation mit dem Wupperverband eine Untersuchung auf den verbandseigenen Kläranlagen durchzuführen.

In den vergangenen beiden Jahren 2013 und 2014 wurden Kartierungen auf den Flächen durchgeführt. Von besonderem Wert sind beispielsweise Schlammteiche mit ihrer strukturreichen Ufervegetation und großen Schilfröhrichten. Hier überwintern Wasservögel wie die seltene Krickente, und auch andere Entenarten und Watvögel wie der Waldwasserläufer sind am Schlammteich regelmäßig zu beobachten. Neben Wasservögeln bieten die Uferbereiche Lebensmöglichkeiten für Amphibien und Reptilien, wie unter anderem die geschützte Ringelnatter. Mehrere Fledermausarten, Schwalben und Mauersegler werden durch das hohe Insektenangebot über den Schlammteichen angezogen. Auf Rasenflächen und in den Hecken des Klärwerkes leben ebenfalls zahlreiche Vogelarten: Wasseramsel, Eisvogel, Graureiher, Rotmilan und Dorngrasmücke sind nur einige Beispiele für besonders bemerkenswerte Arten.

Um die Bedingungen noch zu verbessern, haben die Biologen zahlreiche Vorschläge erarbeitet. So z.B. sollten Schilfflächen regelmäßig ausgelichtet werden, um die Strukturvielfalt und damit die Lebensmöglichkeiten für Schilfbewohner zu erhöhen. Der farbenfrohe Eisvogel oder die Uferschwalbe könnten durch den Aufbau von Nistwänden wieder einen Brutplatz finden. Das Aufhängen von speziellen Nistkästen unterstützt Turmfalke, Mehlschwalbe, Meisen oder auch die an Fließgewässern lebende Wasseramsel bei der Brut. Um die Vielfalt von Wiesenblumen und Insekten zu erhalten und zu vergrößern, um blütenreiche Wiesen zu entwickeln, erweist es sich als sinnvoll, Wiesen im Klärwerksgelände extensiv zu nutzen und nur ein bis zwei Mal im Jahr zu mähen. So und durch die Anlage von Brachflächen könnten unter anderem selten gewordene Wildbienenarten gezielt gefördert werden.
Durch diese und weitere Maßnahmen lassen sich in den Klärwerksanlagen des Wupperverbandes – ebenso wie auch in jedem Garten – mit vergleichsweise geringem Aufwand bereits erfreulich große Wirkungen erzielen.

Das zweite Anliegen des Projekts war es neben den arten- und biotopschutzbezogenen Entwicklungsmaßnahmen auf den Betriebsflächen von Kläranlagen bei den Mitarbeitern der Anlagen das Bewusstsein für die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit dieser Maßnahmen zu schaffen. Durch die Vermittlung von exemplarischem Grundlagenwissen zum Beispiel zur Artenvielfalt und Sauerstoffproduktion einer Blumenwiese im Vergleich zu einem englischen Rasen, zum Hintergrund unterschiedlicher Lochgrößen von Nisthilfen, über die Gründe für den Rückgang von Arten wurde den Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben ihr Umfeld aktiv mitzugestalten. Zu diesem Zweck fanden mehrere Umweltbildungsveranstaltungen statt. Bei einem Termin gab es eine Führung über das Gelände des NaturGut Ophoven zu dem Thema „naturnaher Garten“ und bei einer anderen Veranstaltungsreihe wurden Nisthilfen für Insekten und für Vögel gebaut. Außerdem ging es darum Handlungsansätze gegen unnötigen Energie- oder Rohstoffverbrauch im Arbeitsleben aufzuzeigen und somit den Alltag etwas umweltfreundlicher zu gestalten.  

 

Dieses Projekt ist ein Gemeinschaftsprojekt der Biologischen Station für den Ennepe-Ruhr Kreis, der Biologischen Station Mittlere Wupper, der Biologischen Station Rhein-Berg, der Biologischen Station Oberberg und der NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln und wird vom Wupperverband finanziert.