Fledermaus Gefunden - Was Tun?

Besonders im Frühjahr und Herbst trifft man auf geschwächte oder verletzte Fledermäuse, die hilflos an der Wand hängen oder auf dem Boden liegen. Oft ist man hilflos und fragt sich, wie man dem kleinen Fellknäuel helfen kann. Im Folgenden erhalten Sie die wichtigsten Regeln für den Umgang mit Fledermausfindlingen.

  • Wenn ein Quartier in der Nähe ist, z. B. direkt über dem Fundort in einer Mauerspalte oder hinter einer Verkleidung, das Tier nahe an die Quartieröffnung setzen, insbesondere wenn es ein Jungtier ist.

  • Wer auf eine geschwächte oder verletzte Fledermaus stößt, sollte das Tier möglichst schnell in eine Pappschachtel, die mit Tüchern zum Verstecken ausgestattet ist, setzen und an einen Fledermausfachmann weiterleiten. Zum Transportieren kann man neben Pappschachteln auch feste Stoffsäckchen verwenden. Die Behältnisse sollten ausreichende Luftzufuhr gewährleisten und ausbruchsicher sein.

  • Hier ein Wort zum Anfassen der Findlinge: Fledermäuse sind Wildtiere, einigermaßen fitte Tiere beißen zur Verteidigung zu, wenn man sie anfasst. Sind keine Schutzhandschuhe vorhanden, "bugsiert" man das Tier mit Hilfsmitteln, wie Besen oder Zweige in ein Behältnis. Kleinere Arten kann man mit einem Tuch anfassen.

  • Bis zur Übergabe den Findling kühl halten; nicht in die Sonne und keine Autoheizung!

  • Zwischen Fund und Übergabe kann man einem geschwächten Tier mit einem Grashalm oder Bleistift tropfenweise Wasser seitlich ans Maul bringen - Vorsicht, nicht auf die Nase!

Der AKFledermäuse Leverkusen nimmt geschwächte und verletzte Fledermäuse in Pflege, bitte wenden Sie sich an:

AKFledermäuse, Ansprechpartnerin: M. Höller, Tel. 0214 / 54283.

Weiter helfen Ihnen auch:
Untere Landschaftsbehörde der Stadt Leverkusen,
J. Kossler, Tel. 0214 / 4063247 oder 02171 / 4063247,
NABU Naturschutzstation Leverkusen - Köln, Bernd Sonntag, Tel. 02171 / 7349911 oder 734990

Nach oben

Fünf Jahre Arbeitskreis Fledermäuse

Der AKFledermäuse besteht seit November 1997. Unsere Tätigkeiten und Ergebnisse sind: Fledermausarten: Bisher gelang der Nachweis von sechs Fledermausarten im Stadtgebiet mittels Ultraschalldetektoren und Sichtbeobachtung. Dazu gehören die "Baumfledermäuse" Wasserfledermaus, Fransenfledermaus, Grosser Abendsegler, Rauhhautfledermaus und Bartfledermaus spec. und die zu den "Hausfledermäusen" gehörende Zwergfledermaus. Weitere Myotisarten ohne Artansprache wurden beobachtet. Allgemein wird eine Zunahme der jagenden Fledermäuse in den Monaten August, September beobachtet. Möglicherweise handelt es sich um Jungtiere oder das Gebiet durchwandernde Fledermäuse.

Quartiere: Inzwischen sind fünf Quartiere der Zwergfledermäuse im Stadtgebiet bekannt. Die Hausbesitzer konnten überzeugt werden, den harmlosen Mitbewohnern den Platz am Gebäude zu lassen. Auf Opladener Gebiet fanden wir einen von Abendseglern besetzten Höhlenbaum. 21 ausfliegende Abendsegler wurden gezählt. Der Baum wird in Absprache mit Förster Zimmermann geschützt.

Fledermauskästen: Bisher richtete der AKFledermäuse fünf neue Kastengebiete in Leverkusen ein, die regelmäßig von uns kontrolliert werden. Dabei halfen uns Schulklassen, der Mädchentreff und die Kinder der NAJUGruppe. Winterquartiere: Intensiv kümmern wir uns um die Optimierung des Stollenbunkers an der Himmelsleiter. Mit Unterstützung des AKFledertierschutz Solingen baute der AKFM im Jahre 2000 ein fledermausgerechtes Gitter ein. Im Rheinisch Bergischen Kreis fanden wir bei den Winterkontrollen Große Mausohren, Braune Langohren und Wasserfledermäuse.

Pfleglinge: Bei plötzlich einsetzender kalter Witterung in den Übergangszeiten Frühjahr und Herbst kommt es häufig vor, dass geschwächte und bewegungsunfähige Fledermäuse gefunden werden. Diese Tiere nehmen wir in Pflege, päppeln sie auf und wildern sie, sobald sie fit sind, wieder aus.

Öffentlichkeitsarbeit: Last not least soll die Öffentlichkeitsarbeit erwähnt werden. Dabei bieten wir u. a. Infostände, Fragebögen zu Fledermausvorkommen und Exkursionen an. Wegen der heimlichen Lebensweise der Fledermäuse ist Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiger Teilbereich der Fledermausschutzarbeit.. Haben Sie noch Fragen? Rufen Sie bitte an:

Mechtild Höller, Leiterin AKFledermäuse, Tel. 02 14 / 5 42 83

Nach oben

Der Stollenbunker an der Himmelsleiter

ein Winterquartier für Fledermäuse

Die Arbeit des AKFledermäuse dient dem Schutz der heimischen Fledermausarten. Neben der Erfassung der hier vorkommenden Fledermausarten und ihrer Lebensräume gehören dazu die Erhaltung bestehender und die Schaffung neuer Fledermausquartiere.

In der Vergangenheit wurden in Europa schon mehrfach Anlagen aus dem 2. Weltkrieg für Fledermäuse und Amphibien hergerichtet. Eine Begehung des Stollenbunkers an der Himmelsleiter in Opladen im Januar 2000 durch den AKFledermäuse zeigte, dieses Bauwerk aus den 40er Jahren mit seinen felsigen, spaltenreichen Wänden, der hohen Luftfeuchtigkeit, den weitgehend konstanten Temperaturen und seiner Lage in Wuppernähe, ist bestens als Winterquartier für Fledermäuse geeignet.

Allerdings mußte dazu die vorhandene Türe aus Stahlblech durch ein stabiles, einbruchssicheres Gitter, das gleichzeitig den Fledermäusen ungehinderten Zugang ermöglicht, ersetzt werden. Die Maßnahme wurde mit Herr Kossler von der Unteren Landschaftsbehörde der Stadt Leverkusen besprochen. Der AKFledertierschutz Solingen e. V. konnte zur Mitarbeit gewonnen werden.

Nach Genehmigung und Zusicherung der Kostenübernahme für die Herstellung des Verschlusses durch die Stadt Leverkusen begannen wir im April mit den Vorarbeiten. Die Freiwillige Feuerwehr Opladen pumpte den Bunker, der voll Wasser stand, leer. Danach konnte für den späteren Einbau des Fledermausgitters die Beschaffenheit des Bodens im Eingangsbereich untersucht werden. Nach Fertigstellung des verzinkten, aus Stahlrohren geschweißten Gitters in Solingen, baute der AKFledermäuse gemeinsam mit dem AKFledertierschutz Solingen in mehreren Wochenendeinsätzen - an zwei Arbeitstagen unterstützte uns außerdem der RBN Wermelskirchen - den fledermausgerechten Verschluss im Eingang des Bunkers ein. Für die Betonierarbeiten waren teilweise sehr komplizierte Verschalungen notwendig. Am 18. 11. 2000 wurden die Arbeiten abgeschlossen.

Wir freuen uns über dieses erfolgreiche Projekt zum Schutz der Fledermäuse und sind sicher, daß bald Fledermäuse (Wasserfledermäuse, Bartfledermäuse und Langohren) den Bunker an der Himmelsleiter aufspüren und als Winterquartier annehmen. Opladener Bürger berichteten mehrfach, sie hätten früher, als der Bunker noch offen war, im Winterhalbjahr regelmäßig Fledermäuse innen gesehen. An dieser Stelle bedanken wir uns bei der Stadt Leverkusen, vertreten durch Herrn Kossler, für die Finanzierung des Gitters, dem AKFledertierschutz Solingen e. V. mit ihrem Vorsitzenden Helmut Pötzsch für Entwurf und Fertigstellung des Gitters und die kollegiale Zusammenarbeit, der Freiwilligen Feuerwehr Opladen für das Auspumpen des Bunkers. Vielen Dank an alle, die uns durch Hinweise und Tipps, ihr Interesse, Kaffee und Kuchen bei der Stange gehalten haben.

Nach oben

Der Grosse Abendsegler (Nyctalus noctula)

Familie:

Glattnasen, Verspertilionidae

Kennzeichen:

Kopf - Rumpflänge 60 - 82 mm, Flügelspannweite 320 - 400 mm, Gewicht 19 - 40 g, Ohren breit, dreieckig, Ohrdeckel kurz, pilzförmig, Fell kurz, eng anliegend, rostbraun und glänzend an der Oberseite, matt und hellbraun an der Unterseite, Flügel lang und schmal, die Armflughaut setzt an der Ferse an.

Verbreitung:

In ganz Europa ohne Irland, Schottland, Nordskandinavien.

Lebensraum:

Waldfledermaus, auch in größeren Parks, Vorkommen hauptsächlich im Flachland.

Quartiere:

Sommerquartiere (Wochenstuben, Balzquartiere) in Baumhöhlen, z. B. alten Spechthöhlen, ausgefaulten Astlöchern, Stammrissen. Grosse Abendsegler beziehen auch Fledermauskästen. Winterquartiere in tiefen, dickwandigen Baumhöhlen, tiefen Felsspalten.

Winterschlaf:

Je nach Witterung von Ende Oktober/Mitte November bis Mitte März/Anfang April. Vor Winterquartieren sind oft laute, schrille Laute zu hören. Bei milderem Wetter fliegen einige Tiere aus. Abendsegler bilden Gruppen in den Quartieren. Sie sitzen teilweise dachziegelartig übereinander. In der Gruppe können Abendsegler Temperaturen bis 3 C ° einige Zeit ertragen.

Wanderungen:

Abendsegler ziehen im Frühjahr von S/WEuropa nach N/OEuropa, im Herbst umgekehrt.

Fortpflanzung:

Die Weibchen und Männchen sind im 1. Jahr geschlechtsreif. Weibchen gebären aber z. T. erst im 2. Jahr. Die Paarungszeit dauert von August bis Oktober. Ein Männchen besetzt für mehrere Wochen ein Paarungsquartier, meist eine Baumhöhle, und wehrt andere paarungsbereite Männchen ab. Die Männchen geben am Quartiereingang oder während des Fluges im Revier Paarungsrufe von sich. Sie markieren den Quartiereingang mit duftenden Sekreten. 4 - 5 Weibchen suchen ein balzendes Männchen auf und bleiben bis zu 2 Tagen im Paarungsquartier. Auch im Winterquartier paaren sich die Männchen mit lethargischen Weibchen. Die lethargischen Weibchen können von mehreren Männchen begattet werden. Zwillinge stammen deshalb oft von verschiedenen Vätern. Ab Mitte Mai bilden 20 - 50 Weibchen sog. Wochenstuben. Die Geburt der Jungtiere erfolgt ab Mitte Juni/Anfang Juli. In der Regel bekommt ein Weibchen zwei Junge.

Alter:

Höchstalter 12 Jahre.

Jagd:

Abendsegler beginnen früh, d. h. vor Sonnenuntergang mit der Jagd. Sie jagen etwa 1 - 1,5 Stunden, kehren danach zum Quartier zurück. Eine zweite Jagdperiode folgt vor Sonnenaufgang. Mit ihrem schnellen Flug erreichen Abendsegler Geschwindigkeiten bis zu 50 km/Std. Sie fliegen in 10 - 40 m Höhe gradlinig mit schnellen Wendungen und Sturzflügen. Das Flugbild läßt lange, schlanke Flügel und eine keilförmige Schwanzflughaut erkennen. Abendsegler jagen über Wiesen, Seen, Müllplätzen und über Baumkronen bis zu sechs Kilometer und weiter vom Quartier entfernt.

 

Nahrung:

In der Hauptsache jagen Abendsegler Fluginsekten wie Köcherfliegen, Käfer, Schmetterlinge.

Besonderheiten:

Bei sozialen Konflikten präsentieren die Abendsegler ihre stark riechende (starker Moschusgeruch) Buccaldrüse, indem sie den Mundwinkel öffnen.

Nach oben

Hufeisennasen (Rhinolophidae)

Die Familie der Hufeisennasen (Rhinolophidae) hat nur eine Gattung Rhinolophus mit 64 bis 69 Arten. Die Hufeisennasen hatten ihren Entwicklungsausgangspunkt im Tropenwald SOAsien´s. Von dort aus haben sie sich bis nach Australien, Afrika und mit 5 Arten sogar in die gemäßigten Zonen von Europa ausgebreitet, nicht jedoch bis in die neue Welt Amerika.

Auffälliges Merkmal ist der hufeisenförmige Hautlappen um die Nase. Die Hufeisennasen geben ihre Ortungsrufe durch die Nase ab. Das Ohr hat keinen Tragus, dafür einen Antitragus, einen ausgedehnten Hautlappen am unteren Ende der Ohrmuschel. Die Frequenz der Ortungsrufe (tatsächlich der 1. Oberton) ist sehr hoch um die 100 kHz. Der Ruf besteht aus einem flötenden Ton mit einem sehr langen konstant frequenten Teil und einem kurzen frequenzmodulierten Teil am Anfang und Ende. Mit dieser höheren Frequenz können Hufeisennasen kleinere Objekte als andere Fledermausarten erkennen. Dem schmalbandigen Ortungsrufen der Hufeisennasen moduliert sich der Flügelschlag der Insekten als Glanzlichter auf (Flügelschlagdetektion).

Nach dem Losfliegen senkt die Hufeisennase die Ruffrequenz ab, um die sonst durch den Dopplereffekt erhöhte Echofrequenz im Bereich des besten Hörens zu halten (Dopplereffektkompensation). Mit breiten Flügeln fliegen die Hufeisennasen langsam und wendig im Blattwerk. Phasenweise betreiben sie Ansitzjagd. Die Hufeisennasen nutzen Höhlen als Quartiere (lithophil). In Mitteleuropa sind die Hufeisennasen Kulturfolger (Dachböden, Keller, Bergwerks stollen). Winter und Sommerquartiere liegen nur bis ca. 30 km auseinander, sie gehören damit zu den standorttreuen Arten.

Die Hufeisennasen hängen im Quartier voneinander entfernt, dabei von ihren Flughäuten umhüllt. Bei zu niedrigen Temperaturen während der Wochenstubenzeit, rücken die Weibchen dicht zusammen und bilden sogenannte Cluster. Es wird kopfüber hängend nur ein Junges geboren. Die Mutter hat im Schenkelbereich zwei zusätzliche Haftzitzen, an denen das Junge aufrecht hängt. Von den 5 europäischen Arten sind nur die Kleine und die Große Hufeisennase als Kulturfolger bis nach Mitteleuropa vorgedrungen. Die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) war bis 1950 noch in den deutschen Mittelgebirgen häufig. Isolierte Vorkommen gibt es noch in der SaaleUnstrutRegion, im Bereich SaaleIlm und im Osterzgebirge mit insgesamt 350 Tieren. In Südbayern gibt es eine Wochenstube im Schloß Herrenchiemsee.

Die Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) ist nicht ganz soweit wie die Kleine Hufeisennase nach Norden hin verbreitet. 1992 wurde eine Wochenstube in der Oberpfalz gefunden.

Die BlasiusHufeisennase (Rhinolophus blasii) kommt in SOEuropa, die MittelmeerHufeisennase (Rhinolophus euryale) in Südeuropa und die MehelyHufeisennase (Rhinolophus mehelyi) im südlicheren Südeuropa vor. Gefährdet sind die Hufeisennasen durch: Höhlentourismus, Hausrenovierung, giftige Holzschutzmittel, Verbau des freien Einflugs, Verlust von Jagdgebieten nahe bei den Wochenstuben (wichtig für trächtige Weibchen), mehrjährige Kälteeinbrüche im Sommerhalbjahr. Winter und Sommerquartiere müssen nah beieinander liegen. Durch die isolierten Vorkommen der HufeisennasenPopulationen in Deutschland wird der Genaustausch zwischen den Populationen erschwert.

Literatur - Schober, W. (1998): Die Hufeisennasen Europas, Neue BrehmBücherei, Bd. 6 Helmut Burghardt, AKFledermäuse, NABU & BUND Leverkusen

Nach oben

Langohrfledermäuse

Plecotus auritus & Plecotus austriacus

Bei uns heimisch sind zwei Arten der Langohrfledermäuse

Braunes LangohrGraues Langohr

Größe

42 - 53 mm

41 - 58 (60) mm

Spannweite

240 - 285 mm

255 - 292 mm

Gewicht

4,6 - 11,3 g

5 - 13 g

Daumen

>6 (6,5 - 8,4) mm

< 6 mm

Kennzeichen

  • Mittelgroß,

  • auffällig lange Ohren,

  • Ohrmuschel dünn mit 22 - 24 Querfalten,

  • vorderer Ohrrand verbreitert und wimperartig behaart.

  • Der lange lanzettförmige Tragus steht auch bei zusammengefaltetem Ohr nach vorn.

Aussehen und Unterscheidungsmerkmale

Langohren sind unverwechselbar. Ihre riesigen Ohren, die beinahe noch einmal so lang sind wie der Körper und die großen Augen verleihen ihnen ein charakteristisches Aussehen und einen koboldhaften Charme.

Beide Arten haben kurze, breite Flügel, die ihnen den langsamen schmetterlingshaften Flug und sogar Rüttelflug auf der Stelle ermöglichen. Dieser langsame Flugstil zusammen mit den großen Ohren macht eine Bestimmung fliegender Langohren im Freiland relativ einfach. Langohren sind zwar leicht von anderen Fledermäusen zu unterscheiden, die beiden heimischen Arten lassen sich jedoch nur schwer auseinander halten. Sie sehen sich wirklich zum Verwechseln ähnlich. Fell, Nasen und Augenpartie sind beim braunen Langohr eher braun, beim grauen eher grau bzw. graubraun. Der Daumen des braunen Langohres ist größer als 6 mm, ca. 6,5 - 8,4 mm, der des grauen Langohres ist kleiner als 6 mm.

Lebensraum und Verbreitung

Die Braunen Langohren sind Waldbewohner, sie kommen in ganz Europa vor, auch auf den Britischen Inseln und in Skandinavien bis zum 64. Breitengrad. Sie wohnen gerne in Baumhöhlen und Rundkästen für Fledermäuse, manchmal auch in Häusern.

Die grauen Langohren sind wärmebedürftiger und bevorzugen daher die südlicheren Gegenden bis zum 53. Breitengrad. Ihnen ist der hohe Norden Deutschlands schon zu kalt, an der Ostseeküste sind sie nicht mehr anzutreffen. Entsprechend suchen sich die grauen Langohren warme Sommerquartiere. Diese finden sie in Dachböden von Wohnhäusern und Kirchendachstühlen. Auch die Jagdgebiete sind weniger im Wald, sondern mehr im Randbereich menschlicher Siedlungen.

Jagd und Nahrung

Der Ausflug der Langohren ist bei später Dämmerung, meist jedoch erst bei Dunkelheit. Der Flug ist langsam, gaukelnd, und niedrig. Sie können rütteln, d.h. sie fliegen fast auf der Stelle bzw. auf kleinstem Raum und können so die Beutetiere auch von der Oberfläche von Blättern, Grashalmen etc. aufnehmen.

Die Nahrung der Langohren besteht zu 70 - 90% aus Schmetterlingen, besonders mittelgroßen und großen Eulen, aber auch aus Zweiflüglern und Käfern, z.B. Maikäfern.

Die Ortungslaute der Langohren beim Suchflug sind leise kurze Laute von 83 - 26 kHz. Langohren flüstern im Quartier bei Beunruhigung. Es sind leise zirpende oder summende Töne.

Wanderungen und Winterquartier

Langohren sind sehr ortstreu. Sie zählen zu den Kurzstreckenwanderern. Die Entfernung zwischen Sommer und Winterquartier beträgt meist nur wenige Kilometer (bis ca. 20 km), dieses gilt für beide Arten. Die weitest nachgewiesene Wanderung zum Winterquartier waren ca. 60 km. Als Winterquartiere werden Höhlen, Keller und Stollen genutzt. Zum Teil sind beide Arten in den Quartieren anzutreffen.

Die bevorzugten Temperaturen im Winterquartier von Langohren betragen 2° - 9°C. Langohren sind meist frei an der Wand hängend, aber auch in Spalten im Winterquartier anzutreffen, meist sind 2 - 5 Tiere beisammen.

Fortpflanzung

Wohl einmalig für Säugetiere ist der unterschiedliche Wachheitsgrad bei der Paarung im Winterquartier von Fledermäusen. Während die brünftigen Männchen voll aktiv sind, werden die Weibchen bei der Paarung gerade eben aufgeweckt und befinden sich während dieser Aufwachphase noch in einem halblethargischen Zustand. Die Paarungszeit ist der Herbst (bis Frühjahr?) Wochenstuben werden im April/Mai bezogen. Es sind meist kleine Wochenstuben, ca. 10 - 30 Weibchen hängen einzeln, z.T. in kleinen Gruppen mehr oder weniger versteckt. Geburten erfolgen ab Mitte Juni, meist 1 Junges selten 2. Die Männchen leben im Sommer einzeln, nur selten in Wochenstuben.

Hedi Scharff, AKFledermäuse

Nach oben

Die Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)

Die Rauhhautfledermaus gehört wie die Zwergfledermaus zur Gattung Pipistrellus, ist etwas größer als diese. Vom Kopf bis zur Schwanzspitze misst sie 75 - 95 mm, die Flügelspannweite beträgt 230 bis 250 mm. "Rauhhäute" haben kurze, fast dreieckige Ohren, deren Spitze abgerundet ist. Das Rückenfell ist im Sommer rot bis kastanienbraun, nach dem Haarwechsel im Juli/August dunkelbraun bis gräulich. An der Bauchseite ist das Fell hell bis gelbbraun, jedoch ohne Grautöne. Hin und wieder tritt bei Rauhhautfledermäusen Teilalbinismus auf.

Die Rauhhautfledermaus ist eine Waldfledermaus, die sowohl in feuchten Laubwäldern als auch in trockenen Kiefernforsten vorkommt. Während des Sommers ist sie vorwiegend im nördlichen Mittel und Osteuropa zu finden (Ostdeutschland, Polen bis zum Baltikum), für die Niederlande gibt es auch WochenstubenNachweise. Regelmäßige Winternachweise gibt es für England (mildes Klima, kaum bis kein Frost).

Ihre Sommerquartiere (Wochenstuben) hat diese Art in Baumhöhlen, Stammrissen, Spalten, auch in flachen Fledermauskästen, seltener an Gebäuden,. In den Wochenstuben ist die Rauhhautfledermaus bisweilen mit Zwerg, Teich und Grosser Bartfledermaus vergesellschaftet.

Rauhhautfledermäuse gehören zu den wandernden Arten und fliegen zum Überwintern nach Süddeutschland, Frankreich und die Schweiz, kommen aber auch im Winter in den Niederlanden vor. Die Wanderstrecken sind sehr lang und führen entlang von Flusstälern, an denen die Tiere sich wohl orientieren. Von beringten, wiedergefundenen Tieren weiß man, dass sie in einzelnen Fällen bis zu 1500 Kilometer zurückgelegt haben. Die Flughöhe beträgt etwa 30 bis 50 Meter, die tägliche Zugleistung liegt zwischen 42 - 80 Kilometern.

Als Höchstalter gelten 11 Jahre, das Durchschnittsalter beträgt etwa 23 Jahre. Mit einem Jahr werden die Weibchen geschlechtsreif, die Männchen ein Jahr später. Die Paarungszeit ist zwischen der zweiten Julihälfte und Anfang September. Die Männchen sind territorial, d. h sie haben feste Reviere, die sie gegen andere Männchen verteidigen. Vom Quartiereingang aus lockt das Männchen einen Harem von 3 bis 10 Weibchen mit zweisilbigen Balzlauten an.

Die Männchen sind reviertreu, die Weibchen auch, doch sie wechseln ihr Wochenstubenquartier im Sommer im gleichen Revier. In der zweiten Junihälfte werden die Jungtiere geboren, meist Zwillinge. Die Jungtiere sind bei der Geburt rosa gefärbt, die Augen öffnen sich am dritten Tag, ihre Flugfähigkeit erwerben die Jungtiere mit ungefähr vier Wochen. Ab Mitte Juli verlassen die Muttertiere die Wochenstuben und suchen die bis zu 15 Kilometer entfernt liegenden Paarungsquartiere auf. Die Rauhhautfledermaus beginnt etwa 50 Minuten nach Sonnenuntergang mit der Jagd. Der Jagdflug ist schnell, gradlinig, weniger wendig als bei der Zwergfledermaus. "Rauhhäute" jagen in 4 bis 15 Meter Höhe auf Schneisen, Wegen, an Waldrändern, auch über Wasser, im Winterhalbjahr sogar in Städten, die Nahrung besteht aus Fluginsekten, davon viele Zuckmücken. Während der Jagd stößt die Rauhhautfledermaus 8 bis 10 Rufe pro Sekunde aus. Die Töne fallen von 70 auf 38 kHz ab. Die Balzrufe liegen bei 17 kHz.

Nach oben

Fransenfledermaus

Fransenfledermäuse sind vorwiegend Waldfledermäuse. Sie leben in Wäldern, Parks mit Gewässern und Feuchtgebieten, auch in Ortschaften. Sommerquartiere sind sowohl in Baumhöhlen und in Fledermauskästen im Wald, auch in Dachstühlen, Einzeltiere auch in Spalten, unter Brücken und hinter Fensterläden. Die Winterquartiere befinden sich in Stollen, Höhlen und Kellern. Die Tiere benötigen in den Winterquartieren hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von 2,5 - 8° C. Sie sind dort in enge Spalten gezwängt, liegen teils auf dem Rücken, auch im Bodengeröll.
Die Fransenfledermaus ist eine mittelgroße Art. Der Hinterrand der Schwanzflughaut ist mit gekrümmten, steifen Haaren ("Fransen") besetzt. Das Ohr ist relativ lang, der Ohrdeckel (Tragus) spitz, etwas länger als die halbe Ohrlänge. Das Fell ist lang, locker, die Haarbasis dunkelgrau, auf dem Rücken hellgrau gefärbt mit nur geringer bräunlicher Tönung, auf der Unterseite weißgrau. Die Füße sind klein.
Die Tragzeit dauert etwa 50-60 Tage. Das Weibchen wird im ersten Jahr geschlechtsreif. Die Paarung erfolgt ab Oktober/November. Die Wochenstuben (Quartiere trächtiger Weibchen bzw. Weibchen mit Jungtieren) bestehen meist aus 20-80 Weibchen. Einzelne beringte, wiedergefundene Tiere hatten ein Alter von bis zu 17 Jahren, das Durchschnittsalter liegt bei 3-5 Jahren.
Eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang oder später beginnt der Jagdausflug. Der Flug ist langsam, teilweise mit schwirrendem Flügelschlag. Auf engem Raum ist die Art sehr manövrierfähig, kurzer Rüttelflug kommt vor. Fransenfledermäuse jagen meist die ganze Nacht. Die Nahrung besteht aus Spinnen, Zweiflüglern, aktiven Fliegen. Die Hauptjagdstrategie stellt offenbar das Absuchen der Blattoberflächen nach Insekten (Käfern) dar. Die Laute der "Fransen" sind zirpend oder piepsend, tiefer als die Rufe der Wasserfledermaus, bei Beunruhigung auch tiefes Summen, im Flug geben sie hohe schrille Rufe ab. In vielen Teilen Europas sind die Populationen der Fransenfledermäuse rückläufig durch Quartierverluste, z. B. durch Fällen von Höhlenbäumen und Zerstörung von Winterquartieren.
Ähnliche Arten sind Langfuß-, Wasser-, Teich-, Wimper- und Bechsteinfledermäuse. Plagegeister der Fledermäuse sind neben Flöhen Wanzen, Milben, Fledermausfliegen und Zecken.

Nach oben

Die Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)

Die Wasserfledermaus ist in Europa weit verbreitet und jagt bevorzugt dicht über der Wasseroberfläche in 5 bis 20 cm Höhe. Sie frisst kleine Insekten, z.B. Mücken oder Schnaken. In den Jagdpausen ruht sie kopfunter an Ästen oder Mauern. Ihr Jagdgebiet ist nur 2 bis 5 km von ihrem Quartier entfernt. Wasserfledermäuse fliegen in der späten Dämmerung zur Jagd aus. Ihr Flug ist schnell und wendig, der Flügelschlag teilweise schwirrend. Der Flügelspann beträgt 24 bis 27,5 cm, das Gewicht 7 bis 15 Gramm. Geschlechtsreif ist die Wasserfledermaus mit einem Jahr. Sie wird durchschnittlich 4 bis 4,5 Jahre alt, das Höchstalter kann 20 Jahre sein. Die Jungtiere, meist eins, werden nach einer Tragzeit von 50 bis 55 Tagen geboren, sie wiegen etwa 2,5 Gramm und sind ab der vierten Woche flugfähig.

Die Wasserfledermaus wandert zwischen Sommer und Winterquartieren. Winterquartiere sind in Höhlen, Stollen, Bunkern oder Kellern. Die Tiere hängen dort meist eingezwängt in Spalten oder auch in größeren Gruppen frei an Wand und Decke. Die Sommerquartiere und Wochenstuben befinden sich oft in Baumhöhlen oder unter Flussbrücken, selten in Fledermauskästen. Durch Maßnahmen der Menschen sind die Wasserfledermäuse gefährdet. Der Einsatz von Insektiziden in Land und Forstwirtschaft oder Trockenlegung von Feuchtgebieten führt zu Nahrungsmangel. Das Fällen alter Höhlenbäume und Verschließen von Bunkern und Stollen verursachen Quartiermangel.

Nach oben

Die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)

Merkmale: Die Zwergfledermaus ist die kleinste einheimische Fledermausart. Die Kopfrumpflänge beträgt ca. 45 mm, die Flügelspannweite etwa 210 mm, sie wiegt 3 bis 8 g. Ihr Haarkleid ist an der Oberseite rot bis dunkelbraun, an der Unterseite gelb, graubraun, Schnauze, Ohren und Flughäute schwarzbraun, die Flügel sind schmal, Ohren kurz und dreieckig, Ohrdeckel oben abgerundet.

Fortpflanzung und Entwicklung: Nach etwa 4 bis 6 Wochen (hängt von der Umgebungstemperatur ab) werfen die Weibchen im Mai meist zwei Jungtiere, die mit etwa 6 Wochen flugfähig sind. Nach einem Jahr sind die Jungtiere geschlechtsreif, Männchen teilweise im 2. Jahr.

Nahrung: Zwergfledermäuse ernähren sich von Mücken und kleinen Nachtschmetterlingen. Lebensweise und Lebensraum: "Zwerge" gehören zu den sog. Hausfledermäusen, weil sie häufig ihre Quartiere in und an Häusern haben. Man findet sie in Wäldern, ländlichen Ortschaften, Obstgärten, Parks aber auch im Zentrum von Großstädten. Sommerquartiere sind u. a. von außen zugängliche Spalten an Gebäuden. Zwergfledermäuse bevorzugen Quartiere, die so eng sind, dass sie mit Bauch und Rücken Kontakt zur Unterlage haben. Meist findet man sie im Zwischendach kleinerer Gebäude, in Hohlräumen von Fassaden, auch hinter Fensterläden, in Rolladenkästen und schmalen Fledermauskästen, unter loser Rinde und in hohlen Bäumen.

Winterquartiere befinden sich hinter Verkleidungen an Häusern, in Fels und Mauerspalten, Holzstößen, auch Höhlen. Zwergfledermäuse sind relativ kälteunempfindlich, sie vertragen Temperaturen zwischen 26 °C. Zwergfledermäuse gehören zu den wanderfähigen Arten, sind in Mitteleuropa meist ortstreu. Jagd: Zwergfledermäuse fliegen früh, z. T. vor Sonnenuntergang und im Herbst auch am Tage zur Jagd aus. Der Flug ist schnell und wendig, sie jagen 12 Kilometer vom Quartier entfernt über Teichen, an Waldrändern, in Gärten und um Laternen. Gefährdung: In Nord und Mitteleuropa gehören Zwergfledermäuse zu den häufigsten Fledermausarten, z. T. mit stabilen oder zunehmenden Populationen. Leider werden die Tiere immer wieder getötet, wen sie invasionsartig in Gebäude einfliegen. Marder oder Katzen können die Tiere beim Verlassen des Quartiers fangen.

Schutz: Um die Tiere zu schützen, sollte man Quartiere schaffen. Man kann an den Gebäuden Spalten offenhalten, Holzteile an Häusern sollten mit ungiftigen Holzschutzmitteln behandelt werden (Liste beim AKFledermäuse erhältlich). Naturnahe Bewirtschaftungen von Gärten, Obstwiesen, Parks, Alleen und Waldungen dient auch dem Schutz.

Nach oben

Mückenfledermaus

Pipistrellus pygmaeus

Erstnachweis für Leverkusen

Gemeinsam mit Schülern aus Schlebusch schaute ich Richtung Dhünn und wartete auf Zwerg- und Wasserfledermäuse, die hier nach Insekten jagen und die wir beobachten wollten. Es war noch sehr hell, als am gegenüberliegenden Ufer Fledermäuse zu beobachten waren. Verwundert blickte ich auf den Ultraschalldetektor, ein Gerät, das die hohen Rufe der Fledermäuse für Menschen hörbar macht. Das Gerät war auf 45 kHz eingestellt, also optimal, um die Rufe der Zwergfledermäuse zu hören, die erfahrungsgemäß als erstes zu beobachten sind. Verwundert war ich deswegen, weil das Gerät keinen Ton von sich gab. Ich prüfte die Lautstärke. Die Batterie hatte ich zu Hause gewechselt. Technisch war demnach alles OK. Als der eingestellte Frequenzbereich auf 55 kHz hochgestellt wurde, waren die typischen Orientierungsrufe der Fledermäuse zu hören: Wir hatten im Juni 2004 für Leverkusen eine neue Fledermausart nachgewiesen, die Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus).
Im Sommer 2005 wurde dieser Erstnachweis der Mückenfledermaus in Leverkusen durch die Mitarbeiter des AK-Fledermäuse bestätigt.

Entdeckungsgeschichte einer neuen Pipstrellusart

Seit einigen Jahren gibt es die Gewissheit, dass sich unter der Art Zwergfledermaus zwei Arten verbergen, neben der Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) die Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus). Bereits Anfang der 1980er Jahre beobachteten der Skandinavier Ingemar Ahlén und andere Fledermausforscher, dass unter den Zwergfledermäusen zwei Phonotypen vorkommen. Die Endfrequenzen dieser Phonotypen liegen in zwei sich kaum überlappenden Frequenzbändern, entweder im Bereich zwischen 40 und 50 kHz mit einem Maximum bei 45 kHz oder im Bereich zwischen 50 und 60 kHz mit einem Maximum bei 55 kHz. Diese Beobachtung war Ausgangspunkt für die Annahme, dass sich unter der Art Zwergfledermaus zwei Arten verbergen. Zunächst sprach man von 45 kHz und 55 kHz Zwergfledermaus. Um die Jahrhundertwende gelang es u. a. MAYER & V. HELVERSEN (2001b) mit Hilfe molekularbiologischer Methoden nachzuweisen, dass es sich um 2 verschiedene Arten handelt. Nachdem damit eine sichere Artzuweisung möglich war, konnten auch morphologische Unterschiede (Unterschiede der Körpermerkmale) festgestellt werden.

Erkennungsmerkmale

  • Die Endfrequenz der Mückenfledermaus liegt immer über 50 kHz
  • Flügel und Gesicht der Zwergfledermaus sind dunkler als die der Mückenfledermaus
  • Das Ohrinnere der Mückenfledermaus ist immer heller
  • Das Gesicht der Mückenfledermaus ist kürzer, die Stirn wirkt dadurch steiler
  • Deutliche Behaarung der Schwanzflughaut bei der Mückenfledermaus ähnlich wie bei der Rauhhautfledermaus
  • Zwergfledermäuse haben einen grauen Penis, die Mückenfledermäuse einen gelborangenen
  • Adulte Männchen der Mückenfledermäuse riechen intensiv, für Zwergfledermäuse ist das nicht bekannt
  • Die Muster der elastischen Fasern im Flügel zwischen dem Unterarm und dem 5. Finger der Armflughaut unterscheiden sich bei Zwerg- und Mückenfledermaus


Erkennbar ist, dass die Zwergfledermaus links dunkler gefärbt ist als die Mückenfledermaus
Foto: M. Hertzog & W.-D. Burkhard (Fledermaus-Anzeiger, Schweiz, September 2002)

Quartiere

Sommerquartiere befinden sind häufig in Häusern und Kästen in Wald- und Gewässernähe, Winterquartiere in tiefen Mauerspalten und Baumrissen.

Jagdhabitate, Jagdverhalten und Nahrung

Mückenfledermäuse jagen in Auwaldbereichen, lichten Eichen- und Hainbuchenwäldern, an Strauch- und Baumhecken. Besondere Bedeutung haben Gewässer, die von Gehölzen begleitet werden und ausgedehnte Buchenwälder.
Mückenfledermäuse fliegen schnell und gewandt im freien Luftraum in 3 bis 6 m Höhe im Abstand von einem bis mehreren Metern zur Vegetation. Zur Nahrung gehören kleine Fluginsekten, insbesondere Zuckmücken (Chironomidae). Beobachtet werden Mückenfledermäuse auch an Konzentrationspunkten von Insekten wie Straßenlaternen und einzeln stehenden Bäumen.

Fortpflanzung

Die Jungtiere werden ab Ende Juni geboren. Abhängig von der Witterung werden die Jungen ab Mitte/Ende Juli flügge.
Die Paarungszeit beginnt ab August. Die Männchen werden territorial, d. h. sie besetzen Fledermauskästen oder Baumhöhlen, die sie gegen andere Männchen verteidigen und locken mit Balzrufen und Balzflügen Weibchen dorthin. Die Balzrufe ähneln denen der Zwergfledermäuse sind aber im Mittel etwas kürzer und höherfrequent.

Gefährdung

Eine mögliche Gefährdung der Art kann zurzeit nicht sicher abgeschätzt werden. Da sie wasserreiche Jagdhabitate bevorzugt, kann durch die Trockenlegung von Feuchtgebiete potenziell Gefährdung ausgehen. Daneben führt der Verlust von Gebäudequartieren zur Beeinträchtigung der Art.

Schutz

Die wichtigsten Schutzmaßnahmen dürften die Erhaltung von gewässernahen Laub- und Mischwäldern mit höhlenreichen Altholzbeständen und Erhalt bekannter Quartiere sein

Literatur

MESCHEDE, A. & RUDOLPH,
B.-U. (2004): Fledermäuse in Bayern,
Ulmer Verlag

MAYER, F. & V. HELVERSEN, O. (2001b):
Sympatric distribution of two cryptic bat
species across Europe. – Biol. J. Linn. Soc. 74

Dipl.-Biol. Mechtild Höller

AK-Fledermäuse

Nach oben

WINTERSCHLAF - LEBEN AUF SPARFLAMME

Färbt sich das Laub und werden die Tage im Herbst kühler und kürzer, nehmen die Insekten nach und nach ab. Dieser nahrungsknappen Zeit begegnen Fledermäuse mit Rückzug in ihre Winterquartiere. Das können alte Stollen, Bunker, Naturhöhlen, Holzstapel oder tiefe Baumhöhlen sein. Versorgt durch ein Fettpolster verbringen die Fledermäuse dort die kalte Jahreszeit im Winterschlaf.

Bartfledermäuse überwintern in Höhlen und Stollen

Mit dem Ziel, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen, stellen sie ihren Organismus um. Sie senken ihre Körpertemperatur auf etwa 2-10°C. Damit geht die Verlangsamung aller Körperfunktionen wie Atmung und Herzschlag einher. Durch die Verlangsamung des Stoffwechsels wird die Sauerstoffaufnahme reduziert und die Fledermäuse kommen mit einem Atemzug pro Stunde aus. Damit die Körpertemperatur abgesenkt werden kann, suchen die Fledermäuse im Herbst/Winter kühle Orte auf, die allerdings frostfrei sein sollten. Daneben brauchen sie in ihren Quartieren eine hohe Luftfeuchtigkeit, damit die dünnen Flughäute nicht austrocknen. Diese Voraussetzungen bieten Höhlen, Bergwerksstollen, Bunker, Mauerhohlräume an historischen Gebäuden, alte Keller. Die Fledermäuse hängen entweder an der Höhlendecke oder sind in tiefe Spalten eingezwängt. Einige Arten, z. B. der Abendsegler (Nyctalus noctula), überwintern zu mehreren in tiefen Baumhöhlen. Sie kuscheln sich eng aneinander und schützen sich so gegen die Kälte. Oft liegen die Winterquartiere in der Nähe der Sommerquartiere. Einige Arten (z. B. Abendsegler, Rauhhautfledermaus) legen jedoch zwischen Sommer und Winterquartieren 1000 und mehr Kilometer zurück. Von Zeit zu Zeit wachen die Fledermäuse während des Winterschlafs kurz auf zum Urinieren und Trinken. Erreicht die Temperatur einen kritischen Tiefpunkt, setzt die Wärmeregulation ein. Die Fledermäuse wachen auf und suchen sich einen frostfreien Schlafplatz. Störungen im Winterquartier sollten vermieden werden, weil die Fledermäuse dadurch aufwachen können. Hierfür verbrauchen die Tiere viel Energie. Bei zu häufigem Aufwachen können die Fettreserven vorzeitig verbraucht werden und die Fledermäuse sterben.

Ein europaweit bedeutendes Fledermausquartier befindet sich im Grubenfeld nördlich von Mayen. Was einst der Basaltgewinnung diente, ist heute die Heimat Tausender von Fledermäusen. Über 15 europaweit bedrohte Arten kommen hier vor. Der Eingangsbereich des sog. Mauerstollens wurde im Winter 2002/2003 verschüttet. Damit saßen die hier überwinternden Fledermäuse in der Falle. Unter Einsatz von NABU, BUND und dem Arbeitskreis Fledermausschutz RheinlandPfalz konnte der Zugang rechtzeitig für die aus dem Winterschlaf aufwachenden Fledermäuse geöffnet werden .

Der AKFledermäuse betreut auch einige Winterquartiere. Neben dem Stollenbunker an der Himmelsleiter in LeverkusenOpladen sind das die Zwergenhöhle in Herrenstrunden, ein alter Bergwerksstollen im Hombachtal und ein kurzer Stollen bei Haus Hardt. Die letzten drei liegen im RheinischBergischenKreis. Drei der von uns betreuten Quartiere sind mit einem fledermausgerechten Gitter verschlossen. Die Zwergenhöhle in Herrenstrunden wurde durch den Einsatz des AKFledermäuse im Jahr 2003 mit einem neuen Tor versehen. Bisher fanden wir bei unseren Kontrollen, die wir seit 2001 durchführen, Große Mausohren, Wasserfledermäuse und Braune Langohren.

Wir freuen uns über jeden Hinweis auf mögliche FledermausWinterquartiere!

Mechtild Höller


Zum Weiterlesen: J. Gebhard: Fledermäuse, Birkhäuser Verlag, 1997;
G. Neuweiler: Biologie der Fledermäuse, Thieme Verlag, 1993.

Nach oben

Wanderverhalten einheimischer Fledermäuse

Tiere kennen keine Grenzen - wie Vögel, Insekten (Schmetterlinge) und Amphibien verlassen die heimischen Fledermausarten im Herbst ihre Sommerlebensräume und ziehen oft über Ländergrenzen hinweg zu den Winterlebensräumen und im Frühjahr umgekehrt. Kenntnisse über saisonale Wanderungen der Fledermäuse sind wichtig für die Umsetzung internationaler Schutzabkommen, wie EUROBATS

Gründe für die saisonalen Wanderungen der Fledermäuse

Tageslethargie und Winterschlaf ermöglichen den Fledermäusen mit ihrer Energie sparsam umzugehen. Wanderungen in günstigere Biotope haben den gleichen Zweck. Beringungsversuche belegen jahreszeitlich bedingte Wanderungen bis zu mehreren 100 km. Die wichtigsten Gründe für die Wanderungen sind:
- jahreszeitlich bedingter Nahrungsmangel
- fehlende Winterquartiere

Zugrichtung und Zugorientierung

Die Herbstzüge führen, vereinfacht gesagt, von Ost- und Nordeuropa Richtung Süddeutschland, Balkanstaaten, Türkei, West- und Südfrankreich. Frühjahrszüge verlaufen in die entgegengesetzte Richtung, z. B. in die kurzen, insektenreichen Sommer in Skandinavien und Russland.
Durch Verfrachtungsversuche mit Myotisarten konnte gezeigt werden, dass die Tiere über Distanzen von 300 bis 700 km in ihre Heimatbiotope zurückfinden (NEUWEILER 1993). Über die Mechanismen der Zugorientierung ist wenig bekannt. Orientierungshilfen können Landmarken wie Flusstäler oder Küstenränder, Sterne, Geruchsstoffe, Winde in Gebirgstälern oder Erdmagnetfelder sein. Nicht bekannt ist, wie die Orientierungsmarken wahrgenommen werden.

Räumlicher Bezug zwischen Sommer- und Winterquartieren

Die Entfernung zwischen den Sommer- und Winterquartieren hängt von der Wanderneigung und Wanderfähigkeit der jeweiligen Art ab (BLAB 1980). Danach lassen sich die Fledermausarten einteilen in:
- Kurzstreckenwanderer oder ortstreue Arten - Sommer- und Winter-quartier liegen wenige Kilometer voneinander entfernt: Zwergfledermäuse, Hufeisennasen, Langohren und Wimpernfledermäuse.
- Mittelstreckenwanderer mit Wanderstrecken zwischen 30 und 300 km: Breitflügel-, Teich-, Wasserfledermaus und die Langohren.
- Fernwanderer, die 1000 km und mehr zurücklegen: Große und Kleine Abendsegler, Langflügel-, Zweifarb-, Nord-, Alpen- und Rauhautfledermäuse.

Heute geht man davon aus, dass nur Teilpopulationen der jeweiligen Art wandern.

Fledermauswanderungen am Beispiel der Rauhautfledermaus

Die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) ist eng verwandt mit der Zwergfledermaus, ist ungefähr 58 mm (Kopfrumpf) lang, hat einen Flügelspann von etwa 250 mm, ihr Gewicht liegt zwischen 6 und 15 g. Sie ist in Frankreich, östl. Mittelmeer, Mitteleuropa, Baltikum, Südschweden, Zentralrussland verbreitet (SCHOBER & GRIMMBERGER 1998). Saisonale Wanderungen sind durch Beringungen belegt. Die Tiere pendeln zwischen Wochenstuben in NO-Deutschland, Südschweden, Südbaltikum, und südlich/südwestlich gelegenen Winterquartieren bis in die Bretagne und zur Rhônemündung, durchziehen Südwestdeutschland und die Nordostschweiz.

Rauhautfledermäuse in Ostdeutschland

Untersuchungen von Axel Schmidt (1998) in Ostbrandenburg zeigen, dass die Rauhautfledermäuse in Kiefernforsten häufiger vorkommen als in Eichenforsten. Ab April/Mai kehren die Tiere in ihre Sommerquartiere in Ostbrandenburg zurück. In der Niederlausitz liegen Paarungsgebiete und Durchzugsgebiete der Art, entsprechend zeigen die Vorkommen der Weibchen zwei Gipfel im Sommerhalbjahr. Der erste Peak liegt im April/Mai, der zweite im August/September. Ab Oktober sind die Rauhautfledermäuse in beiden Gebieten, Ostbrandenburg und Niederlausitz, nicht mehr nachweisbar (Schmidt 1998). Überwinterung der Art ist für Frankreich, das obere Rheintal, Süddeutschland, die Schweiz sowie für Wärmeinseln wie Berlin belegt.

Paarungs- und Durchzugsgebiete der Rauhautfledermäuse am Bodensee

Die Paarungsgebiete in Süddeutschland (Bodensee) und in der Schweiz liegen ca. 1000 km von den Wochenstuben in Ostdeutschland entfernt und gelten als Durchzugsgebiete der Rauhautfledermäuse auf ihrer Wanderung in die Winterquartiere in Süddeutschland und der Schweiz.
Die Paarungsgebiete am Bodensee werden von Wolfgang Fiedler mit der AG Fledermausschutz in Konstanz auf jagende und balzende Rauhautmännchen mit Detektoren untersucht. Die AG kontrolliert außerdem ein Fledermaus-Kastengebiete auf der Insel Reichenau (seit 1990) und eins auf der Halbinsel Mettnau (seit 1983). Beide Kastengruppen sind im Herbst bis zu 90 % mit Harems der Rauhautfledermäuse belegt. Als Harems gelten Gruppen von einem Männchen mit geschwollenen Nebenhoden und 1 bis >10 Weibchen.
Die Untersuchungen der Rauhautfledermäuse in den beiden Kastengebieten zeigen:
- Die Flügelspitzen der weiblichen Rauhautfledermäuse sind stärker ausgebildet als die der männlichen.
- Das Auftreten der "Rauhäute" in der Bodenseeregion zeigt im Jahresverlauf zwei Gipfel, der erste liegt Anfang April (Zug in die Sommerlebensräume), der zweite im September (Herbstzug in die Winterquartiere).

Schlussfolgerungen

Ab Mitte September verlassen die Rauhautmännchen die Paarungsreviere in Ostbrandenburg (SCHMIDT 1998). Sie können frühestens Anfang/Mitte Oktober das Gebiet um den Bodensee erreichen. In der Bodenseeregion erscheinen aber schon ab Mitte August die ersten Männchen. Die Paarungsaktivität erreicht ihren Höhepunkt zwischen der 2. September- und 1. Oktoberhälfte. Diese Männchen im Bodenseegebiet können nicht identisch mit den Männchen in Ostbrandenburg sein, die ja erst ab Anfang Oktober zu erwarten sind. Daraus schließt Fiedler (1998), dass die Rauhautmännchen bei der Paarung zwei Strategien verfolgen:
- Eine Männchengruppe passt paarungsbereite Weibchen in Wochenstubengebieten und Durchzugsgebieten in Ostdeutschland ab,
- die zweite Gruppe erwartet die Weibchen in den Durchzugsgebieten am Bodensee nahe bei den Winterquartieren in Süddeutschland und der Schweiz.
Für die zweite Männchengruppe ist nicht bekannt, woher sie stammt. Fiedler nimmt an, dass diese Männchen die Sommer in der näheren Umgebung verbringen. Im Bodenseegebiet kommen demnach stärker ausgeprägt ziehende Weibchen und schwächer ausgeprägt ziehende Männchen vor. Dafür sprechen die stärker ausgebildeten Flügelspitze der Rauhautweibchen im Vergleich zu denen der Männchen. Bei ziehenden Vögeln sind die Flügelspitzen ebenfalls stärker ausgebildet.
Das milde Bodenseeklima bietet ausreichend Futterinsekten und damit gute Voraussetzungen für die Balzzeit der "Rauhäute" und Besetzung der Paarungsquartiere bis in die letzten Oktobertage.
Rauhautfledermäuse durchwandern im April/Mai das Rheinland in nordöstlicher Richtung, im September umgekehrt und werden dann regelmäßig vom AK-Fledermäuse in Leverkusen nachgewiesen.

Nach oben

Spaltenquartier für Fledermäuse als Giebelverkleidung

Bisher erhielt der Arbeitskreis Fledermäuse Kenntnis von mehren Fledermausquartieren in/an Häusern in Leverkusen und Umgebung. In Gesprächen konnten die zunächst skeptischen Hausbesitzer überzeugt werden, dass Fledermäuse zwar heimlich und nachtaktiv leben, dabei aber harmlos sind und z. B. kein Holz oder sonstige Baumaterialien annagen, also Schäden an den Gebäuden anrichten. An Gebäuden gibt es verschiedene Quartiertypen. Die wichtigsten Hausquartiere sind Dach-stühle im Sommer, kühle Keller im Winter und Spalten im Mauerwerk oder hinter Eternit- oder Schieferverkleidungen. Durch Renovierungen, Ausbau von Dachstühlen und Isolierung von Häuser gegen Wärmeverlust sind in den letzten Jahren viele Fledermausquartiere an Häusern verloren gegangen. Mit relativ einfachen Mitteln lassen sich für gebäudebewohnende Fledermausarten wie Zwergfledermäuse, Große und Kleine Bartfledermaus, Rauhhautfledermaus, Breitflügelfledermaus spaltenförmige Quartiere an Häusern schaffen. Auf einem Rahmen aus Dachlatten, der an der rauhen Hauswand befestigt wird und nach unten offen ist, können Bretter mit Nut und Feder angebracht und damit ein Fledermausbrett geschaffen werden. Hausbesitzer, die den Giebel ihres Hauses verkleiden möchten, haben die Möglichkeit damit ein Fledermausquartier zu schaffen. Eine Zeichnung finden Sie auf der gegenüberliegenden Seite. Quartierbeschreibung

Das Fledermausquartier wird als Holzverkleidung am Giebel von Gebäuden angebracht. Die Unterkonstruktion besteht aus Dachlatten der Stärke 2,4 cm, an denen die Bretter befestigt werden. Verwendet werden Nut- und Federbretter, um Zugluft zu vermeiden. Ideal ist eine sogenannte Klappschalung, bei der die Stöße mit Zierleisten versehen werden. Die Lattenkonstruktion muss an verschiedenen Stellen unterbrochen sein, damit die Fledermäuse die gesamte Fläche nutzen können. Wichtig ist, dass die Holzverkleidung nach unten bis auf die Einschlüpfe gegen Zugluft mit einer Latte verschlossen ist. Die Aussparungen sollten etwa 10 cm breit sein. Die Fledermäuse landen auf der Hauswand und klettern hinter das Holz. Bei kleineren Gebäuden sollten die Einschlüpfe im Firstbereich an der Traufkante liegen. Niemals oben und unten Öffnungen anbringen, da sonst Zugluft im Quartier entsteht. Die Größe das Quartieres sollte 1 m² nicht unterschreiten, richtet sich ansonsten nach den Gegebenheiten des Gebäudes.
Das Holz muss unbehandelt sein, da Fledermäuse sensibel auf Holzschutzmittel reagieren. Lärchenholz ist witterungsbeständig, verwendet man diese Holzart, ist kein chemischer Holzschutz notwendig. Soll das Quar-tier farblich an das Gebäude an-gepasst sein, müssen biozidfreie Farben verwendet werden.
Informationen dazu erhalten Sie unter Infofledermaus[at]aol.com oder Telefon 0214 - 54283.

Mechtild Höller
Sprecherin AK-Fledermäuse

Konstruktionszeichnung (Baubuch Fledermäuse, Wildtierbiologie Gießen)

Nach oben

Baumhöhlen – Wohnstätten für Fledermäuse

 
Waldbewohnende Fledermäuse wie die Abendsegler, Fransen-, Bart- und Bechsteinfledermäuse sind auf alte Bäume mit Höhlen angewiesen. Baumhöhlen entste-hen durch Spechte, nach Verletzungen und durch die Wirkung holzzersetzender Organismen. Sie dienen als Nahrungsdepot, Schlafplatz, Unterschlupf und haben vor allem in der Fortpflanzungsperiode für Vögel und Fledermäuse große Bedeutung. Unterschieden wird zwischen Primärnutzern, die ihre Höhle selber anlegen (Spechte), und Sekundär- oder Folgenutzern wie z. B. den Fledermäusen, die fertige Höhlen beziehen. Wie findet man Baumhöhlen, die von Fledermäusen besetzt sind? Soziallaute des Großen Abendseglers sind teilweise mit bloßem Ohr zu hören. - Wachen Abendsegler aus der Tageslethargie auf, geben sie hohe Zeterlaute von sich, ähnlich wie aggressives Meisengezwitscher. Die Laute sind in Entfernungen von 50 m noch zu hören und verstärken sich bis 1 Stunde vor Sonnenuntergang. - Während der Balzzeit im August/ September und nach dem Winterschlaf im März/April sind mit bloßem Ohr hohe ein- und zweisilbige Pfiffe zu hören, die sich mit dem Batdetektor bei 12-18 kHz eher schmatzend anhören. - Wachen Abendsegler an warmen Tagen im Winterquartier auf, fühlen sich die lethargischen Tiere durch die Aktivität gestört und geben hohe "Zieh"-Laute von sich. Die Soziallaute ermöglichen direktes Auffinden der Quartiere.
 
 
Verschiedene Höhlenarten an einem Baum

Schwarmverhalten: zurückkehrende Fledermäuse schwärmen am Quartierbaum, durch die Beobachtung des Schwärmens sind Quartiere aufzufinden. Wasserfledermäuse schwärmen 1-1,5 Stunden vor Sonnenaufgang 15-60 Minuten lang.
Indirekte Nutzerhinweise: Kot- und Urinspuren an den Baumstämmen, Fliegen im Eingangsbereich, verfärbte Einfluglöcher, Kot und Urin auf Pflanzen können auf die Nutzung einer Baumhöhle durch Fledermäuse hinweisen.

Welche Tiere nutzen Baumhöhlen?
Baumhöhlen werden ganzjährig genutzt z. B. durch Große und Kleine Abendsegler, die fünf Spechtarten, Bienen, Eichhörn-chen, Meisen, Kleiber, Zaunkönig, Baumläufer und Star. Schwerpunkt der Vogelnutzung ist die Zeit von März bis Juni, die Vogelbruten sind bis Mitte Juni ausgeflogen. Oft werden mehrere Quartiere an einem Baum genutzt. Höhlen können während des Jahres von unterschiedlichen Nutzern bewohnt werden. Möglich ist folgende Besetzung einer Baumhöhle im Jahresverlauf:

Nov.-Februar
 
Abendsegler
(Winterschlaf)
April Eichhörnchen
Mai - Juni Honigbienen
April - Juni Buntspecht
Ab August
 
Abendsegler
(zur Balz)
Ab November Abendsegler

Wann und wie können Baumhöhlen von Fledermäusen genutzt werden?
Große Abendsegler nutzen die Höhle als Winterquartier, Zwischenquartier, Wochenstube und als Balzquartier. Eine Höhle in einer über 100 Jahre alten Rotbuche in Leverkusen-Opladen war im Spätsommer 2003 von 23 Großabendseglern besetzt. Da Höhlen durch Verschmutzung (Nistmaterial, Bienenwaben, Urin, Kot) und damit verursachte Parasitenzunahme unbrauchbar werden, sind mehrere Höhlen, in die Fledermäuse wechseln können, in einer Waldparzelle notwendig.

Erhalt von Höhlenbäumen –
Fledermausschutz im Wald

Mit einem vermehrten Angebot an Altholz, der Erhaltung alter Höhlenbäume und markanter Einzelbäume und der Bewahrung von Altholzzellen kann ein ausreichendes Quartierangebot für höhlenbrütende Vögel und für Fledermäuse gesichert werden. Enge Spalten hinter abstehender Rinde und in rissiger Borke nutzen z. B. Bechstein- und Mopsfledermaus als Sommerquartiere.

Fledermauskästen - Höhlenersatz
Wenn in geeigneten, gut strukturierten Waldgebieten mit reichlichem Nahrungsangebot Naturhöhlen fehlen, so kann man Fledermäuse mit Kunsthöhlen fördern. Fledermauskästen sind immer Ersatz; Maßnahmen zur Förderung natürlicher Quartiere müssen im Vordergrund stehen.
Als Sommerquartiere können Fledermaushöhlen aus Holzbeton (z.B. Firma Schwegler Typ "2 FN") ausgebracht werden. An Jagdkanzeln lassen sich für Spaltenbewohner (z. B. Wasserfledermäuse) leicht Fledermausbretter oder Flachkästen aus ungehobeltem Holz anbringen.
Eine Bauanleitung für einen Flachkasten und Hinweise zum Ausbringen der Fledermauskästen finden Sie auf der Internetseite des AK-Fledermäuse:
www.fledermausschutz-lev.de
Mechtild Höller, AK Fledermäuse

Nach oben

ZWEIFARBFLEDERMÄUSE DURCHZIEHEN DAS RHEINLAND

Im Dezember des vergangenen Jahres erhielt ich einen Anruf aus Köln. Ein Mitarbeiter der Kölner Messe hatte in einem Raum der Messe eine lethargische, aber noch lebende Fledermaus gefunden. Nachdem ich ihm Hinweise zur Erstversorgung des Tieres gegeben hatte, verabredeten wir uns für den kommenden Morgen an der Messe in Deutz zur Übergabe des Tieres. Alles lief so wie verabredet. Die vorsichtige Untersuchung des Tieres erwies, dass die Fledermaus keine Verletzungen hatte. Sie war fit und hatte ihr normales Gewicht. Ihr Fell wirkte wie mit Mehl bestäubt. Der Findling war eine Zweifarbfledermaus. Ich besorgte Futter (Mehlwürmer) und war dabei das Tier zu füttern, als das Telefon klingelte. Eine junge Frau aus Manfort teilte mir aufgeregt mit, an ihrer Gardine hinge eine Fle-dermaus: "Was kann ich tun"? Ich versorgte die erste Fledermaus und fuhr los, diesmal nach Manfort. Alles verlief gut und ich kehrte bald mit dem zweiten Findling zurück. Nun, es ist schon erstaunlich, auch diesmal war es eine Zweifarbfledermaus.

Bisher haben wir bei unseren Detektorbegehungen im Sommerhalbjahr keinen Nachweis für Zweifarbfledermäuse in Leverkusen gefunden. Ich erfuhr dann von anderen Fledermausschützern, dass die Tiere im Spät-herbst durch das Rheinland ziehen. Als ehemalige Felsspaltenbewohner suchen sie sich ersatzweise spaltenartige Verstecke an Gebäuden. An-genommen wird, dass sie in Richtung Aachen ziehen, aber Genaues ist nicht bekannt.

Damit sind für Leverkusen insgesamt 9 Fledermausarten nachgewiesen: neben Zwerg-, Rauhhaut-, Mücken-, Wasser-, Fransen- und Bartfleder-maus, der Große Abendsegler und die Breitflügelfledermaus sowie die Zweifarbfledermaus als Durchzügler bzw. Wintergast.

Zweifarbfledermaus Vespertilio murinus - Linnaeus, 1758

Die Art gehört zu den mittelgroßen heimischen Fledermäusen, ist robust und wiegt 18 - 23 Gramm. Die Rückenhaare sind an der Basis schwarz mit silbernen Spitzen. Die Schnauze ist kurz und breit, die Flügel schmal und spitz, Letzteres befähigt die Tiere zu schnellem Flug. Die Weibchen tragen 4 Milchzitzen. Die Hauptvorkommen der Art sind in Ost- und Nord-europa zu finden.

Ökologie

Quartiere: Die Zweifarbfledermaus ist eine typische Hausfledermaus. Die meisten Funde deuten auf Sommer- und Winterquartiere an Häusern. Wenige Nachweise gibt es für Felsspalten, sehr selten wurde die Art in hohlen Bäumen gefunden. Vespertilio murinus sucht Spalten, Dachüber-stände, Hohlräume hinter Verkleidungen auf (BAAGØE 2001). Einige Ma-le wurden Tiere freihängend an Wänden von Dachböden gefunden.

Jagdbiotope und Nahrung: Untersuchungen in Dänemark zeigen, dass die Zweifarbfledermaus meist über freien Arealen jagt (landwirtschaftliche Flächen, neu angelegte Wälder, Seenlandschaften), selten an Waldrän-dern und Baumgruppen. Nahrungsflüge wurden in Südschweden häufig in Gewässernähe beobachtet, in Dänemark jagt Vespertilio murinus im Spätsommer und Herbst Insekten an Straßenlaternen. Zur Nahrung gehö-ren Chironomidae, Trichoptera, Neuroptera, Aphidoidea, Lepidoptera, Homoptera.

Balzbiotope: Balzflug und Reviergesang sind für Dänemark vom späten September bis Ende Dezember bekannt, mit einem Aktivitätsmaximum im Oktober/Novem-ber. Der Gesang ist mit Detektor und mit unbewaffnetem Ohr meist in der Nähe von senkrechten Wänden höherer Gebäude (4-30 Stockwerke) zu hören, auch über niedrigen Häusern in Villenvierteln, meist zu Beginn der Balzperiode. Spaltenreiche Felswände sind ur-sprüngliche Balzbiotope und Winterquartiere. Während der Balzperiode kommt es in Dänemark zu zahlreichen Funden aktiver und halblethargi-scher Tiere in Räumen größerer Gebäude oder frei an Wänden hängend.

Fortpflanzung und Jungenentwicklung: Die Paarung findet von September bis Dezember statt. Die Geburt der Jungtiere (meist 2) erfolgt Ende Mai bis Mitte Juni. Das Geburtsgewicht der Jungtiere beträgt 2-2,5 Gramm. In der 4. - 5. Woche werden sie flügge. Im Juli/August lösen sich die Wo-chenstuben auf.

Jagdverhalten: 30-40 Minuten nach Sonnenuntergang fliegen die Tiere zur Jagd aus und kehren vor der Morgendämmerung zurück. Besenderte Tiere jagten in 4,4 Kilometer Entfernung von den Quartieren. Balzrufe sind in völliger Dunkelheit zu hören.

Flugweise: Gerader Flug in weiten Bögen, 5-40 Meter über dem Boden, mit Haken und Wenden, hohe Fluggeschwindigkeit.

Echoortung: 20-50 kHz, Energiemaximum bei 25 kHz, lange Pulsreihen in regelmäßigen Raten.

Literatur: BAAGØE, H. J. (2001): Vespertilio murinus Linnaeus, 1758 - Zweifarbfledermaus, Niethammer, J. & Krapp, F. (Hrsg.): Handbuch der Säugetiere Europas, Band 4/I, Fledertiere (Teil I), Aula Verlag.


Dipl.-Biol. Mechtild Höller www.fledermausschutz-lev.de

 

Nach oben

Eine Fledermaus wird groß

Am Sonntag, dem 16. Juni 2006 riefen zwei junge Leute aus Swisttal bei Bonn an. Ihre Katze hatte eine kleine Fledermaus in die Wohnung gebracht, nun suchten sie jemand, der die Fledermaus zur Weiterpflege übernehmen könnte. Das Tierchen habe kaum Fell und die Augen seien noch geschlossen, es war demnach ein erst wenige Tage altes Jungtier.

Obwohl die Pflege und Aufzucht von Jungtieren Neuland für mich war, übernahm ich die kleine Fledermaus am Sonntagabend. Sie war gera-de so groß wie ein Damennagel und brachte 1.6 Gramm auf die Waage. Ich schätzte ihr Alter auf 3 bis 4 Tage. Die Fledermaus war seit zwei Tagen bei den jungen Leuten. Diese hatten inzwischen alles besorgt, was zur Aufzucht von Fledermausbabys benötigt wird. Dazu gehörte Milchpulver zur Aufzucht von kleinen Katzen, das auch zur Aufzucht von Fledermäusen geeignet ist, kleine Reaktionsgefäße zum Auflösen des Milchpulvers, Mikropipetten zum Füttern und - ohne das wäre es nicht gegangen - eine Anleitung zur Aufzucht von Fledermausjungtieren, zusammengestellt von Ingrid Kaipf aus Tübingen, die das Skript den Findern freundlicherweise zuschickte. Die Beiden zeigten und erklärten mir, wie man vorgehen muss. Kleine Fledermäuse müssen alle vier Stunden gefüttert werden, in der Nacht kann eine längere Pause eingelegt werden. Die Tierchen werden am besten in einem Frotteesäckchen gehalten und sollen als Ersatz für die Körperwärme der Mutter auf einer Wärmeflasche liegen. Zwergfledermaus etwa 12 Tage alt.

Es war zuerst ungewohnt, so ein kleines Wesen zu halten und ihm Milch ins Maul zu geben, aber nach kurzer Zeit ging das sehr gut, und die Fledermaus trank zügig ihre Mahlzeit. Weitere Mitarbeiter lernten das Tier zu füttern und zu pflegen, und wir konnten uns nun mit der Pflege abwechseln.

Wie wir inzwischen wussten, zogen wir eine kleine Zwergfledermaus groß. Wir nannten sie Fledi.

Die Fledermaus war fitt und nahm täglich an Gewicht zu, das Fell wuchs und wurde dichter. Wie die täglichen Kontrollen zeigten, entwickelten sich die Flügel gut. In der zweiten Woche nach der Übernahme begann die Fledermaus mit einer Art Gymnastik. Wenn sie auf einem Stück Korkeiche saß, öffnete sie die Flügel und dehnte diese. Einige Tage später versuchte die kleine Fledermaus von der Hand abzufliegen, landete dabei zunächst auf dem Boden, versuchte es immer wieder und flog schließlich die ersten Runden im Zimmer.

Zur gleichen Zeit bekam die Fledermaus die ersten Mehlwürmer zugefüttert. Die Nahrungsumstellung verlief ohne Probleme und nach etwa fünf Tagen fraß das Tier soviel Mehlwürmer, dass die Milch weggelassen werden konnte.

Die Fledermaus war ausgewachsen, fitt und flugsicher, und es war Zeit, das Tier auszuwildern. Ist das Quartier bekannt, bringt man die Tiere dorthin und sie können sich der dort lebenden Kolonie anschließen. Die Finder kannten das Quartier in ihrer Nähe nicht, und wir suchten nach einem geeigneten Ort in Leverkusen. Entschieden haben wir uns für einen naturnahen Garten, der direkt an einen Wald grenzt. Die Eigentümer hatten vor einem Jahr ein Fledermausquartier an ihrem Haus entdeckt und beobachten im Sommerhalbjahr an jedem Abend jagende Fledermäuse in ihrem insektenreichen Garten. Als sie von unserem Anliegen erfuhren, freuten sie sich, und wir verabredeten uns für den Abend des 13. Juli 2006. Wir warteten gemeinsam, bis wir die ersten Fledermäuse im Garten fliegen sahen, setzten unseren kleinen Schützling an den Stamm einer Kiefer und beobachteten ihn. Nach weniger als 5 Minuten flog die Fledermaus los und gesellte sich zu ihren Artgenossen.

Bald konnten wir nicht mehr unterscheiden, welche von den jagenden Fledermäusen unser Pflegling war. Irgendwann flog eins der Tiere einige Kreise in der Nähe des Balkons, auf dem wir mit den Hauseigentümern standen. Der zehnjährige Enkel war sich ganz sicher, dass es unsere Fledi war, die uns Aufwiedersehen und Danke sagen wollte. Wer weiß?

Regelmäßig werden verletzte oder geschwächte Fledermäuse gefunden.

Haben Sie eine junge oder eine geschwächte Fledermaus gefunden, gibt Ihnen unsere Internetseite www.fledermausschutz-lev.de unter dem Kapitel Schutz erste Hinweise zum Umgang mit den Tieren. Danach sollten Sie uns anrufen unter 0214 / 54283, wir helfen Ihnen gerne weiter und übernehmen die Pflege der Tiere.

Tipp: Wenn ein Quartier in der Nähe ist, z. B. direkt über dem Fundort in einer Mauerspalte oder hinter einer Verkleidung, das Tier nahe an die Quartieröffnung setzen, insbesondere wenn es ein Jungtier ist. Das Tier kann so ins Quartier zurückkrabbeln.

Dipl.-Biol. Mechtild Höller, AK-Fledermäuse

Nach oben